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Hirntumoren

ATRT (Atypischer teratoider/rhabdoider Tumor)

ATRT (atypischer teratoider/rhabdoider Tumor) ist ein äußerst seltener und aggressiver embryonaler Hirntumor von Säuglingen und Kleinkindern. Er ist durch den Verlust des SMARCB1-Gens (selten SMARCA4) gekennzeichnet und wird in der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Grad 4 eingestuft.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-06

Definition

Der ATRT, erstmals 1987 beschrieben, ist ein embryonaler Tumor des zentralen Nervensystems. Er ist nach den charakteristischen, mikroskopisch sichtbaren 'rhabdoiden' Zellen benannt. In der WHO-Klassifikation als Grad 4 eingestuft, wächst er rasch und neigt zu früher Ausbreitung.

Epidemiologie

Der ATRT macht etwa 1-2 % aller pädiatrischen Hirntumoren aus; bei Säuglingen unter 3 Jahren steigt dieser Anteil jedoch deutlich an und stellt einen erheblichen Teil der bösartigen Hirntumoren in dieser Altersgruppe dar. Er tritt am häufigsten bei Säuglingen im Alter von 18-24 Monaten auf, mit einer leichten Überrepräsentation von Jungen. Etwa 60 % der Fälle sind infratentoriell (hintere Schädelgrube) und 40 % supratentoriell.

Genetische und molekulare Grundlage

Etwa 95 % der Fälle zeigen eine Inaktivierung des SMARCB1-Gens (INI1) und etwa 5 % des SMARCA4-Gens; beide sind kritische Bestandteile des SWI/SNF-Chromatin-Remodeling-Komplexes. In etwa einem Viertel der Fälle ist die Mutation in der Keimbahn (vererbt) und definiert das Rhabdoidtumor-Prädispositionssyndrom (RTPS). Die DNA-Methylierungsanalyse unterteilt den ATRT in drei molekulare Subtypen — ATRT-TYR, ATRT-SHH und ATRT-MYC —, die unterschiedliche Verläufe aufweisen.

Symptome

Die Symptome variieren mit der Tumorlage und dem Alter des Kindes und schreiten meist rasch fort. Infratentorielle Tumoren verursachen Zeichen eines erhöhten Hirndrucks: Reizbarkeit bei Säuglingen, schwallartiges Erbrechen, raschen Kopfumfangzuwachs (Makrozephalie) und eine vorgewölbte Fontanelle. Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen (Ataxie) sind häufig. Supratentorielle Tumoren können Krampfanfälle, Schwäche und Persönlichkeitsänderungen verursachen. Der ATRT kann sich früh über den Liquor ausbreiten; eine leptomeningeale Beteiligung liegt bei einem erheblichen Anteil der Fälle bereits bei Diagnose vor.

Diagnose

Das kontrastverstärkte Schädel-MRT ist die Untersuchung der ersten Wahl; der Tumor erscheint typischerweise als heterogene, kräftig anreichernde Raumforderung mit soliden und zystischen Anteilen und zeigt häufig eine Diffusionsrestriktion. Eine Bildgebung der gesamten Wirbelsäule ist zwingend erforderlich, um eine Ausbreitung zu beurteilen. Die endgültige Diagnose erfolgt durch die Gewebeuntersuchung; der Schlüsselmarker ist der Verlust der INI1-Expression (SMARCB1) in der Immunhistochemie. Der Nachweis von SMARCB1- oder SMARCA4-Mutationen durch molekulare Untersuchung bestätigt die Diagnose, und eine Keimbahnuntersuchung wird empfohlen, um eine vererbte Mutation abzuklären.

Behandlung

Die Behandlung erfordert ein multidisziplinäres Vorgehen und stützt sich auf intensive Protokolle, die Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie kombinieren. Die Operation strebt die breitestmögliche sichere Resektion an (eine vollständige makroskopische Resektion ist der wichtigste prognostische Faktor). Es wird eine intensive Mehrfach-Chemotherapie eingesetzt und in ausgewählten Fällen eine Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzellrückgabe. Die Strahlentherapie ist bei Kindern über 3 Jahren Teil der Standardversorgung; unterhalb dieses Alters wird sie wegen ihrer Auswirkungen auf das sich entwickelnde Gehirn nach Möglichkeit aufgeschoben. Der EZH2-Inhibitor Tazemetostat hat für SMARCB1-defiziente Tumoren eine beschleunigte Zulassung erhalten und wird in ausgewählten Fällen untersucht.

Prognose

Die Gesamtprognose des ATRT ist ungünstig; in der Literatur wird ein medianes Überleben von 12-18 Monaten angegeben. Bei ausgewählten Patienten, die eine vollständige makroskopische Resektion erreichen und eine intensive multimodale Therapie erhalten, ist jedoch ein Langzeitüberleben möglich. Der molekulare Subtyp beeinflusst das Ergebnis: ATRT-SHH ist relativ günstiger und ATRT-MYC ungünstiger. Die Rezidivraten sind hoch. Die Ergebnisse sind individuell und können nicht garantiert werden; den Familien sollte eine umfassende Unterstützung und gegebenenfalls eine genetische Beratung angeboten werden.

Quellen

  1. Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:755.
  2. Osborn AG, Hedlund GL, Salzman KL. Osborn's Brain: Imaging, Pathology, and Anatomy. 2nd ed. Elsevier; 2018:652.
  3. Louis DN, et al. The 2021 WHO Classification of Tumors of the Central Nervous System. Neuro Oncol. 2021.
Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.