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Schädel-Hirn- & Wirbelsäulentrauma

Impressionsfrakturen des Schädels

Impressionsfrakturen des Schädels sind traumatische Frakturen, bei denen Bruchstücke des Schädelknochens nach innen zur Hirnoberfläche gedrückt werden. Sie können geschlossen (einfach) oder offen (kompliziert) sein; offene Frakturen bergen ein hohes Infektionsrisiko. Die Behandlung wird nach Frakturtyp, Ausmaß der Impression und etwaigen Begleitverletzungen geplant.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07

Definition

Eine Impressionsfraktur ist definiert als eine Verlagerung von Schädelknochenfragmenten nach innen zur Hirnoberfläche um mehr als die Dicke der inneren Knochentafel. Sie macht einen erheblichen Anteil aller Schädelfrakturen aus. Sind die darüberliegende Haut und die Hirnhaut (Dura) intakt, spricht man von einer einfachen (geschlossenen) Fraktur; sind Haut und Dura zerrissen und der Knochen nach außen freigelegt, von einer offenen (komplizierten) Fraktur. Bei Säuglingen kann sich der flexible Schädel nach innen biegen und in einem 'Tischtennisball'-Muster eindellen.

Ursachen und Mechanismus

Die häufigsten Ursachen sind Verkehrsunfälle, Stürze, Schläge mit stumpfen Gegenständen und Arbeitsunfälle. Ein hochenergetischer stumpfer Aufprall auf eine begrenzte Fläche bricht den Knochen und drückt die Fragmente zum Gehirn. Die eingedrückten Fragmente können einen Durariss, eine Verletzung eines venösen Sinus, eine kortikale Blutung oder Kontusion und manchmal ein Epidural- oder Subduralhämatom verursachen. Bei offenen Frakturen erhöht die Verbindung zur Außenwelt das Infektionsrisiko (Meningitis, Hirnabszess, Knocheninfektion) deutlich.

Symptome

Zu den lokalen Befunden gehören eine Schwellung an der Traumastelle, eine Hautwunde, eine tastbare knöcherne Eindellung und bei offenen Frakturen ein Austritt von Liquor (klarer Ausfluss aus Nase oder Ohr). Die neurologischen Befunde variieren mit etwaigen begleitenden intrakraniellen Läsionen; es können eine Bewusstseinsveränderung, eine Schwäche einer Körperhälfte, Sprach- oder Sehstörungen und Krampfanfälle vorliegen. Bei offenen Frakturen wird in der späteren Phase auf Infektionszeichen wie Fieber, Nackensteifigkeit und Verwirrtheit geachtet.

Diagnose

Die native Schädel-CT ist der Goldstandard; das Knochenfenster zeigt die Frakturlinie, das Ausmaß der Impression und die Position der Knochenfragmente. Das Hirnfenster wird verwendet, um ein etwaiges begleitendes Hämatom, eine Kontusion und Luft im Schädel (Pneumozephalus) zu beurteilen. Eine dreidimensionale CT-Rekonstruktion unterstützt die Operationsplanung. Bei einer Fraktur nahe einem Sinus kann eine CT- oder MR-Venographie zur Beurteilung der Gefäße erwogen werden. Bei Verdacht auf einen Liquoraustritt bestätigt ein Beta-2-Transferrin-Test des Ausflusses die Diagnose.

Behandlungsoptionen

Die Behandlung wird nach Frakturtyp, Ausmaß der Impression, Unversehrtheit der Dura und etwaigen Begleitläsionen individualisiert. Bei einfachen, geschlossenen Frakturen mit geringer Impression und ohne neurologische Zeichen kann ein konservatives Vorgehen mit Beobachtung, Schmerzkontrolle und bei Bedarf einer Anfallsprophylaxe angemessen sein. Eine Operation wird durchgeführt bei erheblicher Impression, einer offenen Fraktur, einem Durariss, einem Masseneffekt verursachenden Hämatom oder einer Fraktur in einer kosmetisch wichtigen Region; die eingedrückten Fragmente werden angehoben und in ihre anatomische Position zurückgeführt, die Dura wird repariert und bei Bedarf die knöcherne Struktur durch eine Kranioplastik rekonstruiert. Bei offenen Frakturen sind Wundreinigung (Débridement) und antibiotische Behandlung wichtig, um eine Infektion zu verhindern.

Verlauf und Genesung

Die Genesung ist bei isolierten, einfachen geschlossenen Frakturen im Allgemeinen gut. Bei offenen Frakturen bestimmt die Infektionskontrolle den Verlauf; bei einem begleitenden Hämatom oder einer Kontusion tut dies die Schwere der zugrunde liegenden Hirnschädigung. Wegen des Risikos früher und später Krampfanfälle werden die Patienten eine Zeit lang überwacht, und eine antiepileptische Behandlung wird bei Bedarf fortgesetzt. Knochenheilung und mögliche Komplikationen werden mit einer Verlaufsbildgebung beurteilt. Die Ergebnisse variieren von Patient zu Patient, und kein Ergebnis kann garantiert werden.

Quellen

  1. Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1062-1064.
  2. Bullock MR, Chesnut R, Ghajar J, et al. Surgical management of depressed cranial fractures. Neurosurgery. 2006;58(3 Suppl):S56-S60.
  3. Carney N, Totten AM, O'Reilly C, et al. Guidelines for the Management of Severe Traumatic Brain Injury. 4th ed. Neurosurgery. 2017;80(1):6-15.
Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.