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Schädel-Hirn- & Wirbelsäulentrauma

Diffuse axonale Schädigung (DAI)

Die diffuse axonale Schädigung (DAI) ist eine ausgedehnte Scherverletzung der Nervenfaserfortsätze (Axone) in der weißen Substanz des Gehirns, verursacht durch Hochgeschwindigkeits-Rotations- und Beschleunigungs-Verzögerungs-Trauma. Sie ist eine der Hauptursachen für schweres Schädel-Hirn-Trauma, verläuft oft mit langanhaltender Bewusstlosigkeit und kann in der Bildgebung weniger Befunde zeigen als erwartet.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07

Definition

Die diffuse axonale Schädigung ist eine Schädigung der Axone der weißen Substanz des Gehirns, verursacht durch mechanische Dehnungs- und Scherkräfte im Moment des Traumas. Da graue und weiße Substanz unterschiedliche Dichten haben, bewegen sie sich während der Verletzung mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, und die Axone werden besonders an der Grenze zwischen grauer und weißer Substanz, im Balken (Corpus callosum) und im Hirnstamm geschädigt. Sie ist für einen erheblichen Anteil schwerer Kopfverletzungen und traumatischer Komata verantwortlich. Da die meisten Läsionen mikroskopisch sind, zeigt die Standardbildgebung möglicherweise keine Befunde, die der Schwere des klinischen Bildes entsprechen.

Ursachen und Mechanismus

Die häufigsten Ursachen sind Hochgeschwindigkeits-Verkehrsunfälle, Stürze aus der Höhe und Schütteltraumata bei Säuglingen. Während des Traumas erfährt das Gehirn eine rotatorische Beschleunigung-Verzögerung; die Axone werden zunächst direkt geschädigt (Primärschädigung), und in den folgenden Stunden bis Tagen kommt durch axonale Schwellung, ionisches Ungleichgewicht und Degeneration eine Sekundärschädigung hinzu. Dieser kumulative Prozess stört die Funktion der neuronalen Schaltkreise des Gehirns.

Symptome

Typischerweise besteht ab dem Moment des Traumas eine langanhaltende Bewusstlosigkeit und ein Koma; anders als beim epiduralen Hämatom ist kein 'luzides Intervall' zu erwarten, und der Patient befindet sich von Anfang an in einem schweren Zustand. Abnorme Streckhaltungen, gestörte Pupillenreaktionen und Zeichen einer Hirnstammbeteiligung können dies begleiten. Bei überlebenden Patienten können Langzeitprobleme auftreten wie ein anhaltendes Koma, ein minimal reaktiver Bewusstseinszustand, schwere kognitive Beeinträchtigungen (Gedächtnis, Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen), Verhaltensänderungen und Bewegungsstörungen (Spastik, Ataxie).

Diagnose

In der Akutphase ist die Schädel-CT oft nahezu normal oder zeigt nur ein ausgedehntes Ödem und kleine punktförmige Blutungen; eine normale CT schließt eine diffuse axonale Schädigung nicht aus. Das klinische Bild (Koma von Anfang an nach Hochenergietrauma, ein zur Bildgebung unverhältnismäßiger Schweregrad) legt die Diagnose nahe. Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist der Goldstandard; insbesondere suszeptibilitätsgewichtete Sequenzen (T2*GRE/SWI) zeigen kleine Blutungen im Balken, an der Grenze zwischen grauer und weißer Substanz und im Hirnstamm. Diffusionsgewichtete und Diffusions-Tensor-Bildgebung liefern Informationen über die akute Schädigung und die Integrität der Bahnen der weißen Substanz. Das Bewusstseinsniveau wird mit der Glasgow-Koma-Skala beurteilt.

Behandlungsansatz

Es gibt keine spezifische Operation für die diffuse axonale Schädigung, da die Läsionen diffus und mikroskopisch sind. Grundlage der Behandlung ist die unterstützende Intensivtherapie und das Management von Komplikationen. Bei Bedarf wird eine Atemunterstützung gewährleistet, der intrakranielle Druck überwacht und bei Erhöhung mit Methoden wie osmotischer Therapie und Sedierung kontrolliert. In Situationen wie begleitenden Hämatomen mit raumforderndem Effekt oder therapierefraktärem erhöhtem intrakraniellem Druck wird eine Operation nur für diese Komplikationen durchgeführt. Eine antiepileptische Behandlung wird eingesetzt, wenn ein klinischer Krampfanfall auftritt.

Rehabilitation, Verlauf und Erholung

Sobald der medizinische Zustand stabilisiert ist, bildet eine frühe und multidisziplinäre Rehabilitation (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, kognitive Rehabilitation und psychologische Unterstützung) die Grundlage der Erholung. Die Erholung verläuft langsam, kann Monate bis Jahre dauern, und die Unterstützung der Familie ist wichtig. Der Verlauf variiert über einen weiten Bereich je nach Schwere der Verletzung; ein hohes Bewusstseinsniveau bei der Vorstellung, eine kurze Komadauer, jüngeres Alter und eine frühe Rehabilitation sind mit einem günstigeren Verlauf verbunden. Die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich von Patient zu Patient, und kein Ergebnis kann garantiert werden.

Quellen

  1. Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1071-1076.
  2. Adams JH, Graham DI, Murray LS, Scott G. Diffuse axonal injury due to nonmissile head injury in humans. Ann Neurol. 1982;12(6):557-563.
  3. Carney N, Totten AM, O'Reilly C, et al. Guidelines for the Management of Severe Traumatic Brain Injury. 4th ed. Neurosurgery. 2017;80(1):6-15.
Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.