Endoskopische zervikale Diskektomie
Die endoskopische zervikale Diskektomie ist eine minimal-invasive Operationstechnik, bei der ein eine Nervenwurzel im Hals komprimierendes Bandscheibenfragment mit einem über einen kleinen Schnitt eingeführten Endoskop entfernt wird. In ausgewählten Fällen zielt sie darauf ab, die Beweglichkeit ohne Fusion zu erhalten und den Gewebeschaden zu verringern.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-08
Definition
Die endoskopische zervikale Diskektomie ist die Entfernung von Bandscheibenmaterial, das bei einem Halsbandscheibenvorfall eine Nervenwurzel komprimiert, mittels eines dünnen endoskopischen Systems. Der Eingriff wird unter starker Vergrößerung mit einem Endoskop durchgeführt, das Kamera und Lichtquelle durch einen millimetrischen Korridor trägt. Der Hals kann über den posterioren Weg oder, in ausgewählten Fällen, über den anterioren Weg erreicht werden; der posteriore endoskopische Zugang erfordert in der Regel keine Fusion. Die Methode ist ein minimal-invasiver Ansatz, der sich als Alternative zu klassischen offenen oder mikrochirurgischen Techniken entwickelt hat.
Indikationen
Die Technik wird bei ausgewählten Patienten mit radikulären Armschmerzen (Radikulopathie) aus einem in der Bildgebung nachgewiesenen und mit den klinischen Befunden übereinstimmenden Halsbandscheibenvorfall erwogen, die auf eine ausreichende konservative Behandlung nicht angesprochen haben. Sie eignet sich am ehesten für lateral gelegene, foraminale weiche Bandscheibenvorfälle. Bei erheblicher Rückenmarkkompression (Myelopathie), breiter mehrsegmentaler Stenose, Instabilität oder fortgeschrittener knöcherner Degeneration kann diese Methode allein unzureichend sein, und Alternativen wie die ACDF können vorgezogen werden. Die Eignung wird nach Lage und Typ des Vorfalls sowie der Anatomie beurteilt.
Methode
Der Eingriff wird unter Vollnarkose oder in manchen Zentren unter Lokal-/Sedierungsanästhesie durchgeführt. Beim posterioren Zugang wird der Patient in Bauchlage gebracht, die Zielhöhe mittels Durchleuchtung bestätigt und eine dünne Arbeitskanüle in der foraminalen Region platziert. Das Endoskop wird durch diese Kanüle vorgeschoben; eine begrenzte Foraminotomie legt die Nervenwurzel frei, und das sie komprimierende Bandscheibenfragment wird mit spezialisierten endoskopischen Instrumenten entfernt. Bei der anterioren endoskopischen Technik wird die Bandscheibe über einen dünnen Korridor von vorne erreicht. Nach Bestätigung der Entlastung der Nervenwurzel wird die Kanüle zurückgezogen und der kleine Schnitt verschlossen.
Vorteile und Grenzen
Zu den berichteten möglichen Vorteilen zählen ein sehr kleiner Schnitt, geringe Weichteilbeeinträchtigung, das Vermeiden einer Fusion beim posterioren Zugang und eine frühe Mobilisation bei vielen Patienten. Die Technik weist jedoch eine erhebliche Lernkurve und ein enges Indikationsfenster auf; nicht jeder Vorfalltyp oder jede Höhe ist geeignet. In Situationen wie einer Myelopathie durch Rückenmarkkompression, einem großen zentralen Vorfall, erheblicher Instabilität oder mehrsegmentaler Spondylose können die ACDF oder mikrochirurgische Techniken besser geeignet sein. Die Ergebnisse hängen weitgehend von der Patientenauswahl ab.
Genesung und Risiken
Die Genesungsdauer variiert je nach Patient und Eingriff; aufgrund des kleinen Schnitts können viele Patienten früh mobilisieren. Wie bei jeder Wirbelsäulenoperation umfassen mögliche Risiken Infektion, Blutung, Durariss und Liquoraustritt, Verletzung einer Nervenwurzel oder des Rückenmarks sowie ein Rezidiv auf derselben Höhe. Bei unzureichender Dekompression kann eine zusätzliche (offene oder fusionierende) Operation erforderlich sein. Kein Ergebnis kann garantiert werden; die Entscheidung wird individuell getroffen, indem der klinische Zustand des Patienten und die Bildgebungsbefunde gemeinsam berücksichtigt werden.
Quellen
- Ruetten S, et al. Full-endoscopic cervical posterior foraminotomy for the operation of lateral disc herniations using 5.9-mm endoscopes: prospective randomized controlled study. Spine. 2008.
- Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1280.
- Ahn Y. Endoscopic cervical discectomy for cervical disc herniation: techniques and outcomes. Neurospine / review literature.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.