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Operationstechniken

Endoskopische Drittventrikulostomie (ETV)

Die endoskopische Drittventrikulostomie (ETV) ist ein shuntfreies chirurgisches Verfahren, bei dem mit einem Endoskop eine kleine Öffnung im Boden des dritten Ventrikels geschaffen wird, um dem sich ansammelnden Liquor cerebrospinalis einen alternativen Weg zu bieten. Sie wird in ausgewählten Fällen eines obstruktiven Hydrozephalus eingesetzt.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-09

Definition

Die ETV ist ein endoskopisches Verfahren, das einen neuen Weg zur Umgehung einer Obstruktion schafft, wenn der Fluss des Liquor cerebrospinalis blockiert ist. Der Chirurg führt ein dünnes Endoskop vom Seitenventrikel in den dritten Ventrikel vor und schafft im Boden des Ventrikels ein kleines Loch (Stoma). Diese Öffnung ermöglicht es der Flüssigkeit, die basalen Zisternen zu erreichen und wieder in die normalen Resorptionswege zu gelangen. Das Verfahren unterscheidet sich von Shunt-Systemen dadurch, dass es kein dauerhaftes Gerät hinterlässt.

Indikationen

Die ETV wird insbesondere bei einem obstruktiven Hydrozephalus in Betracht gezogen, bei dem der Liquorfluss an einer Stelle blockiert ist; ein typisches Beispiel ist die Obstruktion durch eine Aquäduktstenose oder einen Tumor der hinteren Schädelgrube. Die Eignung beruht auf der Beurteilung der Höhe der Obstruktion in der Bildgebung und der Anatomie des dritten Ventrikels. Die Erfolgswahrscheinlichkeit kann beim kommunizierenden Hydrozephalus infolge einer gestörten Resorption und bei sehr jungen Säuglingen geringer sein; die Patientenauswahl beeinflusst das Ergebnis deutlich.

Verfahren

Der Eingriff wird in der Regel in Vollnarkose durchgeführt. In den Schädel wird ein kleines Loch (Bohrloch) gemacht und das Endoskop durch den Seitenventrikel in den dritten Ventrikel geführt. Der Boden des Ventrikels (in der Regel die Region des Tuber cinereum) wird mit einer stumpfen Spitze perforiert und das geschaffene Stoma vorsichtig erweitert. Der Chirurg bestätigt unter direkter Sicht den zisternalen Raum unter der Öffnung und den Durchtritt der Flüssigkeit. Die nahe gelegenen Gefäß- und Nervenstrukturen werden engmaschig überwacht; nach dem Eingriff wird das Endoskop zurückgezogen und der kleine Schnitt verschlossen.

Vorteile und Grenzen

Zu den berichteten möglichen Vorteilen gehört, dass kein dauerhaftes Fremdgerät zurückbleibt und damit die Risiken einer Shunt-Infektion und eines mechanischen Versagens vermieden werden. In geeignet ausgewählten Fällen kann der Patient eine lebenslange Shunt-Abhängigkeit vermeiden. Das Verfahren ist jedoch nicht für jeden Typ des Hydrozephalus geeignet und erfordert einen bestimmten anatomischen Korridor sowie Erfahrung. Das Stoma kann sich mit der Zeit verschließen, und das Verfahren muss möglicherweise wiederholt oder in einen Shunt umgewandelt werden; in einigen Fällen kann ein Shunt eine zuverlässigere Option sein.

Erholung und Risiken

Die Erholungszeit variiert je nach Patient; viele Patienten mobilisieren sich rasch, und der Krankenhausaufenthalt kann relativ kurz sein. Mögliche Risiken umfassen Blutungen, eine Verletzung der Gefäß- oder Nervenstrukturen in der Nähe des Bodens des dritten Ventrikels, ein Liquorleck, eine Infektion, hormonelle Auswirkungen sowie das Wiederauftreten von Symptomen durch einen Verschluss des Stomas. Das Wiederauftreten von Symptomen erfordert eine dringende Abklärung. Kein Ergebnis kann garantiert werden; die Entscheidung wird individuell getroffen, indem der klinische Zustand des Patienten zusammen mit den Bildgebungsbefunden berücksichtigt wird.

Quellen

  1. Winn HR, ed. Youmans Neurological Surgery. 6th ed. Saunders; 2011:525-530.
  2. Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:453-454.
  3. Kulkarni AV, et al. Endoscopic third ventriculostomy success score (ETVSS). J Pediatr. 2009.
Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.