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Schädel-Hirn- & Wirbelsäulentrauma

Intrazerebrales Hämatom

Ein intrazerebrales Hämatom (ICH) ist eine Blutung, die sich im Hirngewebe selbst entwickelt. Sie kann spontan (oft durch Bluthochdruck) oder traumatisch sein; die spontane Form ist der häufigste Typ des hämorrhagischen Schlaganfalls. Die Blutung schädigt das Hirngewebe direkt, erzeugt einen Masseneffekt und erhöht den Hirndruck. Sie erfordert eine dringende Diagnose und ein geeignetes Vorgehen.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07

Definition

Ein intrazerebrales Hämatom ist eine Blutansammlung im Hirnparenchym (Gewebe). Die spontane (nicht-traumatische) intrazerebrale Blutung ist die häufigste Form des hämorrhagischen Schlaganfalls und macht etwa 10-15 % aller Schlaganfälle aus. Eine Blutung im Gehirn ist wegen der direkten Gewebeschädigung, des Ödems im umliegenden Gewebe und des erhöhten Hirndrucks ein ernster Zustand. Ein traumatisches intrazerebrales Hämatom entwickelt sich im Zusammenhang mit einem Schädel-Hirn-Trauma, häufig zusammen mit Kontusionsbereichen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigste Ursache einer spontanen Blutung ist ein chronischer Bluthochdruck; diese Blutungen liegen typischerweise in tiefen Regionen wie den Basalganglien, dem Thalamus, der Brücke und dem Kleinhirn. Im höheren Alter kann eine Ablagerung von Amyloid in den Wänden der Hirngefäße (zerebrale Amyloidangiopathie) zu Blutungen nahe der Hirnrindenoberfläche (lobär) führen. Weitere Ursachen sind Gefäßmissbildungen (arteriovenöse Malformation, Kavernom), die Einnahme blutverdünnender Medikamente, Gerinnungsstörungen, bestimmte Rauschmittel und eine Einblutung in einen Tumor. Die traumatische Form steht im Zusammenhang mit einem direkten Kopfaufprall und einer Kontusion.

Symptome

Die Symptome variieren mit Lage und Größe der Blutung. Häufige Merkmale sind plötzliche, heftige Kopfschmerzen, Schwäche oder Lähmung einer Körperseite (Hemiparese/Hemiplegie), Gefühlsverlust, Sprachstörung (Aphasie, Dysarthrie) und Krampfanfälle. Bei großen Blutungen wird das Bewusstsein zunehmend beeinträchtigt; Erbrechen, Bradykardie und erhöhter Blutdruck weisen auf einen erhöhten Hirndruck hin. Bei Blutungen im Hirnstamm oder Kleinhirn können Bewusstlosigkeit, Gleichgewichtsstörung und Atemprobleme im Vordergrund stehen.

Diagnose

Eine dringende native CT des Gehirns ist der Goldstandard; frisches Blut erscheint hyperdens (hell), und das Hämatomvolumen kann rasch berechnet werden. Eine CT-Angiografie kann zum Screening auf Gefäßmissbildungen und zur Beurteilung des Risikos einer aktiven Blutung (Kontrastmittelaustritt, das 'Spot Sign') verwendet werden. Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist wertvoll zur Abklärung der Blutungsursache (Gefäßmissbildung, Tumor, alte Mikroblutungen) und in der subakuten Phase. Bei jungen Patienten oder bei Verdacht auf eine Gefäßursache kann eine digitale Subtraktionsangiografie (DSA) durchgeführt werden. Laboruntersuchungen werden zur Beurteilung der Einnahme von Blutverdünnern und des Gerinnungsstatus angefordert.

Behandlungsansatz

Der erste Ansatz ist die Sicherung von Atemweg, Atmung und Kreislauf. Eine kontrollierte Senkung des hohen Blutdrucks, die Aufhebung der Medikamentenwirkung bei Patienten unter Blutverdünnern und das Management des Hirndrucks (Hochlagerung des Kopfes, Sedierung, osmotische Therapie) sind zentrale Schritte. Die Kontrolle von Blutzucker und Temperatur, die Thromboseprophylaxe und die Vermeidung einer Aspiration sind Teil der intensivmedizinischen Behandlung. Eine routinemäßige Anfallsprophylaxe wird nicht empfohlen; eine antiepileptische Behandlung wird nur bei einem klinischen Anfall eingesetzt.

Chirurgische Behandlung

Die Entscheidung zur Operation richtet sich nach Lage und Größe der Blutung und dem neurologischen Status des Patienten. Bei Kleinhirnhämatomen wird die operative Ausräumung dringend empfohlen, insbesondere bei großem Durchmesser oder bei Hirnstammkompression oder Hydrozephalus. Bei oberflächlichen (lobären) Hämatomen kann in ausgewählten Fällen eine Operation erwogen werden. Bei tief gelegenen Hämatomen wird eine routinemäßige Operation in der Regel nicht empfohlen, kann aber in Situationen wie großem Volumen und fortschreitender Verschlechterung erwogen werden. Wenn sich die Blutung in die flüssigkeitsgefüllten Räume des Gehirns (Ventrikel) ausbreitet und ein Hydrozephalus besteht, kann eine externe Ventrikeldrainage angelegt werden. Minimalinvasive (stereotaktische oder endoskopische) Ausräumungstechniken können in ausgewählten Fällen eingesetzt werden; der Nutzen dieser Optionen wird noch untersucht.

Verlauf, Erholung und Prävention

Das intrazerebrale Hämatom ist ein Schlaganfalltyp mit hohem Risiko; der Verlauf hängt von Volumen und Lage der Blutung, dem Alter des Patienten und dem Bewusstseinsgrad bei Vorstellung ab und wird mit Instrumenten wie dem ICH-Score beurteilt. Die Erholung ist in den ersten Monaten am schnellsten, und eine frühe Rehabilitation (Physiotherapie, Logopädie) ist wichtig. Die wirksamste Maßnahme zur Senkung des Rezidivrisikos ist eine strenge Blutdruckkontrolle; auch Anpassungen des Lebensstils und eine sorgfältige Bewertung der Einnahme von Blutverdünnern tragen dazu bei. Die Ergebnisse sind von Patient zu Patient unterschiedlich und kein Ergebnis kann garantiert werden.

Quellen

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  2. Greenberg SM, Ziai WC, Cordonnier C, et al. 2022 Guideline for the Management of Patients With Spontaneous Intracerebral Hemorrhage. Stroke. 2022;53(7):e282-e361.
  3. Hemphill JC 3rd, Bonovich DC, Besmertis L, Manley GT, Johnston SC. The ICH score: a simple, reliable grading scale for intracerebral hemorrhage. Stroke. 2001;32(4):891-897.
  4. Mendelow AD, Gregson BA, Rowan EN, et al. Early surgery versus initial conservative treatment in patients with spontaneous supratentorial lobar intracerebral haematomas (STICH II). Lancet. 2013;382(9890):397-408.
Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.