Karpaltunnel-Spaltung (Operation)
Die Karpaltunnel-Spaltung ist ein dekompressiver Eingriff, der den im Karpaltunnel am Handgelenk eingeengten Nervus medianus durch Durchtrennung des queren Karpalbands (Retinaculum flexorum) befreit. Sie kann offen oder endoskopisch durchgeführt werden und zielt darauf ab, die durch das Karpaltunnelsyndrom verursachten Schmerzen, Taubheitsgefühle und Schwäche zu lindern.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-09
Definition
Die Karpaltunnel-Spaltung ist ein mikrochirurgischer Eingriff, der das Dach des Karpaltunnels an der Beugeseite des Handgelenks öffnet und den Druck auf den Nervus medianus entlastet. Wird das das Tunneldach bildende quere Karpalband durchtrennt, nimmt das Volumen des Tunnels zu und der Druck auf den Nerv ab. Der Eingriff kann über einen offenen Zugang (ein kleiner Schnitt in der Handfläche) oder einen endoskopischen Zugang (kameragesteuert über ein oder zwei kleine Portale) erfolgen; das wesentliche Ziel beider Methoden ist dasselbe: die vollständige Durchtrennung des queren Karpalbands.
Indikationen
Eine Operation wird bei Patienten mit einem durch klinische Befunde und bei Bedarf durch elektrophysiologische Untersuchungen (EMG / Nervenleitstudien) bestätigten Karpaltunnelsyndrom erwogen. Sie wird in der Regel Patienten angeboten, die auf eine ausreichende konservative Behandlung (nächtliche Schiene, Aktivitätsanpassung, entzündungshemmende Medikamente, lokale Kortikosteroidinjektion) nicht oder nur unzureichend angesprochen haben. Befunde wie ein fortschreitender Sensibilitätsverlust, ein Schwund der Thenarmuskulatur (Atrophie) oder eine ausgeprägte motorische Schwäche können eine frühere chirurgische Abklärung rechtfertigen. Die Indikation beruht darauf, dass die Symptome mit dem anatomischen Versorgungsgebiet des Nervus medianus übereinstimmen.
Methode
Der Eingriff wird meist unter Lokalanästhesie, regionaler Blockade oder leichter Sedierung durchgeführt, in der Regel ambulant. Bei der offenen Technik wird ein kleiner Schnitt in der Handfläche knapp ulnar der Thenarfalte gesetzt; das Unterhautgewebe und die Palmaraponeurose werden durchtrennt, das quere Karpalband wird direkt dargestellt und unter Schonung des Nervus medianus über seine gesamte Länge durchtrennt. Bei der endoskopischen Technik werden ein oder zwei kleine Portale angelegt, und das Band wird mit einer im Tunnel platzierten Kamera von unten dargestellt und mit einer speziellen Klinge durchtrennt. Bei beiden Methoden werden die vollständige Durchtrennung des Bands und die Entlastung des Nervus medianus bestätigt, die Blutstillung erreicht und der Schnitt verschlossen.
Vorteile und Grenzen
Die Karpaltunnel-Spaltung ist ein gut definierter Eingriff, der durch langjährige klinische Erfahrung und eine umfangreiche Literatur gestützt wird. Die offene Technik ermöglicht eine direkte Darstellung des queren Karpalbands und des Nervus medianus und bietet eine sichere Präparation. Die endoskopische Technik kann kleinere Schnitte mit geringerer früher Narbenempfindlichkeit und ein potenziell schnelleres Wiederaufnehmen der Arbeit bieten, doch ist das Sichtfeld eingeschränkter und es bedarf Erfahrung, um das Risiko einer Nervenverletzung zu verringern. Bei fortgeschrittenem, langjährigem Nervenschaden oder bei vorliegender Thenaratrophie kann die Erholung unvollständig bleiben; bei zusätzlichen begleitenden Nervenengpässen kann sie allein nicht ausreichen.
Erholung und Risiken
Die Erholungszeit variiert je nach Patient und operierter Hand; bei vielen Patienten beginnen Taubheit und nächtliche Schmerzen rasch nachzulassen, doch die vollständige Wiederherstellung von Greifkraft und Handflächenempfindlichkeit kann Wochen dauern. Mögliche Risiken umfassen Infektion, Blutung, Verletzung des Nervus medianus oder des palmaren Hautasts, Empfindlichkeit im Narbenbereich (Pillar-Schmerz), unvollständige Banddurchtrennung und selten ein Wiederauftreten der Symptome. Bei langjährigem schwerem Nervenschaden kehren Gefühl oder Kraft möglicherweise nicht vollständig zurück. Kein Ergebnis kann garantiert werden; die Entscheidung wird individuell getroffen, indem der klinische Zustand des Patienten, die Nervenleitbefunde und seine Erwartungen gemeinsam berücksichtigt werden.
Quellen
- Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:546-553.
- Winn HR, ed. Youmans Neurological Surgery. 6th ed. Saunders; 2011:2427-2431.
- American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS). Clinical Practice Guideline: Management of Carpal Tunnel Syndrome.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.