Drainage eines chronischen subduralen Hämatoms (Bohrloch)
Die Drainage eines chronischen subduralen Hämatoms ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem im Laufe der Zeit zwischen Gehirn und harter Hirnhaut (Dura) angesammeltes altes Blut über ein kleines, in den Schädel gebohrtes Loch (Bohrloch) entleert wird. Sie wird besonders bei älteren Patienten durchgeführt, um durch Kompression verursachte Symptome zu lindern.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-09
Definition
Ein chronisches subdurales Hämatom ist eine teilweise verflüssigte Blutansammlung, die sich langsam, meist über Wochen, im Subduralraum ansammelt und das Hirngewebe komprimieren kann. Die Bohrlochdrainage ist eine Technik, bei der diese Ansammlung über ein oder mehrere kleine, in den Schädel gebohrte Löcher entleert wird. Ziel des Eingriffs ist es, den durch das Hämatom erzeugten Druck zu lindern und neurologische Symptome zurückzubilden. Die Methode ist ein weit verbreiteter und als relativ wenig invasiv geltender Ansatz in der chirurgischen Behandlung des chronischen subduralen Hämatoms.
Indikationen
Die Bohrlochdrainage wird bei Patienten mit einem chronischen subduralen Hämatom von signifikanter Größe oder mit Masseneffekt erwogen, das in der Bildgebung (meist CT) nachgewiesen wurde und mit den klinischen Befunden übereinstimmt. Das Vorliegen von Symptomen wie Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Gang- und Gleichgewichtsstörungen oder Schwäche in einem Arm oder Bein stützt die Entscheidung zur Operation. Hohes Alter, eine Vorgeschichte mit leichtem Kopftrauma und die Einnahme blutverdünnender Medikamente sind häufige prädisponierende Faktoren für dieses Hämatom. Kleine, asymptomatische Ansammlungen können in manchen Fällen mit engmaschiger Beobachtung statt einer Operation behandelt werden; die Entscheidung beruht auf der Größe des Hämatoms, den Symptomen und dem Allgemeinzustand des Patienten.
Methode
Der Eingriff kann unter Allgemein- oder Lokalanästhesie durchgeführt werden; der Patient wird in Rückenlage gelagert, der Kopf entsprechend der Seite des Hämatoms gedreht. Nach einem kleinen Schnitt der Kopfhaut werden ein oder mehrere Bohrlöcher in den Schädel gebohrt und die Dura sorgfältig eröffnet. Das verflüssigte Hämatom wird entleert und der Subduralraum in der Regel vorsichtig mit Kochsalzlösung gespült. In den meisten Fällen wird ein temporärer Drainagekatheter gelegt, um Restflüssigkeit zu entfernen und ein erneutes Ansammeln zu verringern. Die Dura und die Gewebeschichten werden verschlossen; die Drainage wird in der Regel nach kurzer Zeit entfernt, und eine Kontrollbildgebung kann durchgeführt werden.
Vorteile und Grenzen
Die Bohrlochdrainage ist eine relativ rasche Methode, die als weniger invasiv als größere Kraniotomien gilt und auch bei älteren Patienten durchführbar ist, mit umfangreicher klinischer Erfahrung. In den meisten Fällen kann sie eine deutliche Besserung der Symptome bewirken. Allerdings ist ein erneutes Ansammeln des Hämatoms (Rezidiv) ein bekanntes Ereignis, das nach diesem Eingriff auftreten kann, und manche Patienten benötigen einen erneuten Eingriff. Bei mehrkammrigen (septierten), dickmembranigen oder festen Hämatomen kann sie allein unzureichend sein, und eine ausgedehntere Operation kann erforderlich werden. Die Einnahme blutverdünnender Medikamente und Begleiterkrankungen beeinflussen das Management.
Genesung und Risiken
Die Genesung ist von Patient zu Patient unterschiedlich; viele Patienten können eine relativ rasche Besserung ihrer Symptome erleben, doch hohes Alter und Begleiterkrankungen können den Verlauf verlängern. Mögliche Risiken sind ein erneutes Ansammeln des Hämatoms, Blutungen (einschließlich einer neuen oder akuten subduralen Blutung), Infektionen, Krampfanfälle und selten das Ausbleiben der Wiederausdehnung des Hirngewebes. Die Symptome bilden sich möglicherweise nicht vollständig zurück oder bleiben teilweise bestehen. Kein Ergebnis kann garantiert werden; die Entscheidung wird individuell getroffen, indem der klinische Zustand des Patienten, die Bildgebungsbefunde, die Begleiterkrankungen und die Erwartungen gemeinsam berücksichtigt werden.
Quellen
- Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1082-1085.
- Winn HR, ed. Youmans Neurological Surgery. 6th ed. Saunders; 2011:533-542.
- Santarius T, et al. Use of drains versus no drains after burr-hole evacuation of chronic subdural haematoma: a randomised controlled trial. Lancet. 2009.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.