BVS Pedia
Operationstechniken

Lumbale interkorporelle Fusion (TLIF/PLIF)

Die lumbale interkorporelle Fusion ist eine Stabilisierungsoperation, bei der ein Cage und ein Knochentransplantat in den Bandscheibenraum zwischen zwei Lendenwirbeln eingebracht werden, um die Etage dauerhaft zu versteifen. TLIF und PLIF sind zwei gängige Varianten, die den Bandscheibenraum von hinten erreichen und mit Pedikelschrauben gestützt werden.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-08

Definition

Die interkorporelle Fusion stabilisiert ein bewegliches Wirbelsäulensegment dauerhaft, indem ein Transplantat und ein Cage in den Bandscheibenraum eingebracht werden, um eine knöcherne Fusion zu erzielen. Die PLIF (posteriore lumbale interkorporelle Fusion) erreicht den Bandscheibenraum beidseits der Mittellinie, entlang des Duralsacks; die TLIF (transforaminale lumbale interkorporelle Fusion) nähert sich einseitig durch das Foramen mit geringerer Retraktion der nervalen Strukturen. Beide werden in der Regel mit einer posterioren Instrumentierung aus Pedikelschrauben und Stäben kombiniert; darin unterscheiden sie sich von Techniken der reinen Dekompression wie der Laminektomie.

Indikationen

Eine Fusion wird erwogen, wenn eine Stabilisierung des Segments erforderlich ist: degeneratives oder isthmisches Wirbelgleiten, segmentale Instabilität, ausgewählte mechanische Rückenschmerzen bei ausgeprägter degenerativer Bandscheibenerkrankung, erwartete Instabilität nach Dekompression sowie einige Deformitäts- oder Rezidivfälle. Die Entscheidung beruht auf der Übereinstimmung der klinischen Befunde mit der Bildgebung, dem Nachweis einer Instabilität und dem Versagen der konservativen Behandlung. Bei einfacher Stenose, bei der eine Dekompression allein ausreichen kann, ist eine routinemäßige Fusion nicht immer notwendig.

Methode

Der Eingriff wird unter Vollnarkose in Bauchlage durchgeführt. Über einen posterioren Zugang wird die Etage freigelegt, die notwendige Dekompression (Laminektomie/Laminotomie, Facettenresektion) durchgeführt und das Bandscheibenmaterial entfernt, während die Endplatten für das Transplantatlager vorbereitet werden. Ein Knochentransplantat und ein Cage geeigneter Höhe werden in den Bandscheibenraum eingebracht, um Bandscheibenhöhe und Lordose zu unterstützen; das Segment wird mit Pedikelschrauben und Stäben stabilisiert. Die TLIF nutzt einen einseitigen transforaminalen Korridor und die PLIF einen beidseitigen posterioren Korridor; minimalinvasive Varianten (MIS-TLIF) sind beschrieben worden. Die knöcherne Fusion entwickelt sich über Wochen bis Monate.

Vorteile und Grenzen

Die interkorporelle Fusion bietet eine Abstützung der vorderen Säule und kann bei instabilen oder verschobenen Segmenten eine Stabilisierung und indirekte Dekompression ermöglichen; die TLIF wird in vielen Zentren wegen ihres Potenzials für eine geringere Nervenwurzelretraktion bevorzugt. Demgegenüber ist die Fusion ein größerer Eingriff als die Dekompression, mit längerer Operationszeit, mehr Blutverlust und einer höheren Wahrscheinlichkeit implantatbedingter Probleme. Pseudarthrose (ausbleibende Verknöcherung), Lockerung des Implantats und Degeneration des angrenzenden Segments im Laufe der Zeit sind möglich. Nicht jede Instabilität oder jeder Rückenschmerz erfordert eine Fusion; die Indikation wird sorgfältig geprüft, um eine unnötige Fusion zu vermeiden.

Genesung und Risiken

Genesung und Ausreifung der Fusion variieren je nach Patient, Anzahl der Etagen und Technik und können sich von Wochen bis Monaten erstrecken. Mögliche Risiken sind Infektion, Durariss und Liquoraustritt, Nervenverletzung, Blutung, Fehllage von Schraube oder Cage, ausbleibende Fusion und Erkrankung des angrenzenden Segments. Eine vollständige Rückbildung von Schmerz und Funktion kann nicht bei jedem Patienten erwartet werden. Kein Ergebnis kann garantiert werden; die Entscheidung wird individuell getroffen, indem der klinische Zustand des Patienten zusammen mit den Bildgebungsbefunden bewertet wird.

Quellen

  1. Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1802.
  2. Winn HR, ed. Youmans Neurological Surgery. 6th ed. Saunders; 2011:3083.
  3. Mobbs RJ, et al. Lumbar interbody fusion: techniques, indications and comparison (ALIF, PLIF, TLIF, LLIF). J Spine Surg. 2015.
Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.