Vertebroplastie (perkutan)
Die perkutane Vertebroplastie ist ein minimal-invasives Verfahren bei schmerzhaften Wirbelkörperkompressionsfrakturen, bei dem Knochenzement (meist PMMA) über eine kleine Hautinzision direkt in den frakturierten Wirbelkörper injiziert wird, um den Wirbel zu stabilisieren. Es wird am häufigsten bei osteoporotischen Kompressionsfrakturen eingesetzt.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-09
Definition
Die Vertebroplastie ist ein Verfahren, bei dem ein eingebrochener Wirbelkörper über einen kleinen perkutanen Hautzugang erreicht wird und Knochenzement (häufig Polymethylmethacrylat, PMMA) unter bildgebender Kontrolle direkt hineininjiziert wird. Der injizierte Zement verteilt sich im Wirbel und härtet aus, um die Fraktur zu stabilisieren, mit dem Ziel, die Schmerzen zu lindern. Es unterscheidet sich von der Kyphoplastie dadurch, dass nicht zuerst mit einem Ballon ein Hohlraum geschaffen wird und der Zement direkt in den Knochen eingebracht wird.
Indikationen
Die Vertebroplastie wird bei schmerzhaften Wirbelkörperkompressionsfrakturen erwogen, meist osteoporotisch, die in der Bildgebung nachgewiesen sind und mit den klinischen Befunden übereinstimmen. Sie wird in der Regel Patienten angeboten, die auf einen angemessenen Versuch einer konservativen Behandlung (Schmerzmittel, Korsett, Aktivitätsanpassung) nicht angesprochen haben oder bei denen ein Risiko für Komplikationen durch Immobilität besteht. Sie kann auch bei ausgewählten tumorbedingten (Metastase, multiples Myelom) oder traumatischen Frakturen eingesetzt werden. Der Nachweis, dass die Fraktur frisch und symptomatisch ist (zum Beispiel mit einem Ödem im MRT), ist für die Entscheidung wichtig.
Methode
Der Eingriff wird üblicherweise unter Lokalanästhesie mit Sedierung oder Vollnarkose durchgeführt, wobei der Patient in Bauchlage liegt. Unter fluoroskopischer (bildgebender) Kontrolle wird eine feine Nadel/Kanüle über einen transpedikulären oder extrapedikulären Weg in den Zielwirbelkörper vorgeschoben. Bei korrekt positionierter Kanüle wird der vorbereitete Knochenzement kontrolliert in den Wirbelkörper injiziert, sobald seine Konsistenz geeignet ist, unter bildgebender Kontrolle. Die Verteilung des Zements wird kontinuierlich überwacht; die Injektion wird bei Bedarf gestoppt, um das Risiko eines Austritts zu verringern. Der Zement wird aushärten gelassen, die Kanüle wird entfernt und der kleine Hautzugang verschlossen.
Vorteile und Grenzen
Die Vertebroplastie ist ein minimal-invasiver Eingriff, der über einen kleinen Hautzugang durchgeführt wird und bei vielen Patienten eine frühe Mobilisierung ermöglichen kann. Da sie keinen Ballonschritt umfasst, kann sie technisch einfacher und relativ kürzer als die Kyphoplastie sein. Da der Zement jedoch direkt und mit relativ höherem Druck eingebracht wird, ist das Risiko eines Zementaustritts eine verfahrensspezifische Einschränkung. Die Vertebroplastie zielt nicht auf die Wiederherstellung der Wirbelhöhe oder der Wirbelsäulenausrichtung ab und garantiert diese nicht. Sie kann bei ausgeprägter Instabilität, Rückenmark- oder Nervenkompression, Verlagerung eines Frakturfragments in den Kanal oder aktiver Infektion ungeeignet sein; solche Fälle können eine offene Operation erfordern.
Genesung und Risiken
Die Genesungszeit variiert je nach Patient und Grunderkrankung; viele Patienten mobilisieren sich relativ schnell. Mögliche Risiken sind der Austritt von Knochenzement in benachbarte Strukturen, den Epiduralraum oder ein Gefäß, eine Nerven- oder Rückenmarkverletzung, Infektion, Blutung, neue Frakturen in benachbarten Wirbeln und selten eine Zementembolie. Der Schmerz kann nicht vollständig abklingen oder teilweise bestehen bleiben. Kein Ergebnis kann garantiert werden; die Entscheidung wird individuell getroffen, indem der klinische Zustand des Patienten, die Knochenqualität, die Bildgebungsbefunde und seine Erwartungen gemeinsam berücksichtigt werden.
Quellen
- Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1212-1215.
- Winn HR, ed. Youmans Neurological Surgery. 6th ed. Saunders; 2011:2767-2769.
- Steinmetz MP, Berven SH, Benzel EC, eds. Benzel's Spine Surgery: Techniques, Complication Avoidance, and Management. 5th ed. Elsevier; 2022:514-517.
- NICE Technology Appraisal Guidance TA279 — Percutaneous vertebroplasty and percutaneous balloon kyphoplasty for treating osteoporotic vertebral compression fractures. 2013.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.