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Gefäßerkrankungen

Arteriovenöse Malformation (AVM)

Eine arteriovenöse Malformation (AVM) ist eine angeborene Gefäßanomalie, bei der Hirnarterien ohne zwischengeschaltetes Kapillarnetz direkt mit Venen verbunden sind. Ihr wichtigstes Risiko ist die intrakranielle Blutung; die Entscheidung zur Behandlung wird individuell getroffen, indem das Blutungsrisiko gegen das Eingriffsrisiko abgewogen wird.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07

Definition

Eine arteriovenöse Malformation ist eine angeborene Gefäßanomalie, bei der Hirnarterien ohne zwischengeschaltetes normales Kapillarnetz direkt mit Venen verbunden sind. Ihre Kernbestandteile sind zuführende Arterien, ein Gefäßknäuel namens Nidus und ableitende Venen. Da das Kapillarbett fehlt, gelangt arterielles Blut unter hohem Druck direkt in das venöse Niederdrucksystem, was zu venöser Hypertonie und Blutungen prädisponiert. AVM sind am häufigsten in den Großhirnhemisphären (supratentoriell), kommen aber auch in der hinteren Schädelgrube, in der Tiefe und im Hirnstamm vor.

Ursachen und Risikofaktoren

AVM sind angeboren und treten bei etwa einem von tausend Menschen auf, wobei sie meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr symptomatisch werden. Die meisten Fälle sind sporadisch; bestimmte erbliche Erkrankungen wie die hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie (Osler-Weber-Rendu-Syndrom) können mehrere AVM aufweisen. Assoziierte arterielle Aneurysmen, eine tiefe venöse Drainage, eine einzige ableitende Vene und eine frühere Blutung sind mit einem höheren Blutungsrisiko verbunden.

Symptome

AVM können sich auf drei Hauptarten zeigen: durch eine intrakranielle Blutung (das erste Anzeichen bei etwa der Hälfte der Patienten), durch epileptische Anfälle und durch ein fortschreitendes neurologisches Defizit oder Kopfschmerzen. Krampfanfälle sind besonders häufig bei kortikal gelegenen AVM. Eine Blutung ist ein Notfall, der sich mit plötzlichen starken Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörung und fokalem neurologischem Ausfall äußern kann. Einige AVM sind stumm und werden zufällig bei einer aus anderen Gründen durchgeführten Bildgebung entdeckt.

Diagnose

Das MRT ist meist der erste Schritt und zeigt Flusssignalauslöschungen innerhalb des Nidus, erweiterte zuführende Arterien und ableitende Venen; suszeptibilitätsgewichtete Sequenzen können frühere Mikroblutungen aufdecken. Bei Verdacht auf eine akute Blutung erlauben die Computertomographie (CT) und die CT-Angiographie eine rasche Beurteilung. Der Goldstandard für die detaillierte Gefäßdarstellung und Behandlungsplanung ist die digitale Subtraktionsangiographie (DSA), die Nidusgröße, zuführende Arterien, ableitende Venen und etwaige assoziierte Aneurysmen charakterisiert.

Spetzler-Martin-Graduierung

Das Spetzler-Martin-System ist ein Graduierungsschema zur Vorhersage des chirurgischen Risikos und bewertet drei Kriterien: AVM-Größe (klein, mittel, groß), Lage in eloquentem (funktionell kritischem) Hirngewebe und das Vorliegen einer tiefen venösen Drainage. Die Gesamtpunktzahl ordnet AVM als niedriges (Grad I-II), mittleres (Grad III) oder hohes Risiko (Grad IV-V) ein. Diese Graduierung hilft, die Behandlungsoptionen abzuwägen, bestimmt die Entscheidung jedoch nicht allein.

Behandlung

Das Hauptziel der Behandlung ist es, die AVM vollständig aus dem Kreislauf auszuschalten, um das Blutungsrisiko zu beseitigen. Die wichtigsten Methoden sind die mikrochirurgische Entfernung, die stereotaktische Radiochirurgie (z. B. Gamma Knife) und die endovaskuläre Embolisation; viele Fälle kombinieren diese Methoden (multimodal). Die Mikrochirurgie erreicht bei niedriggradigen AVM hohe Raten vollständiger Entfernung. Die Radiochirurgie kann bei kleinen oder tief gelegenen AVM bevorzugt werden, doch ihre Wirkung tritt über 1-3 Jahre ein, in denen das Blutungsrisiko fortbesteht. Bei nicht rupturierten AVM wird die Wahl zwischen Behandlung und Beobachtung individuell getroffen, indem das natürliche Verlaufsrisiko gegen das Eingriffsrisiko abgewogen wird.

Prognose

Der Verlauf hängt eng mit Größe, Lage, Angioarchitektur und Blutungsanamnese der AVM zusammen. Nach einer Blutung steigt das Risiko einer erneuten Blutung deutlich, sodass häufig eine Behandlung empfohlen wird. Die Behandlungsergebnisse variieren je nach Methode und Patient; die Bestätigung der vollständigen Obliteration in der Verlaufsbildgebung ist wichtig. Die Ergebnisse sind individuell, und keines kann garantiert werden.

Quellen

  1. Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1504-1513.
  2. Winn HR, ed. Youmans Neurological Surgery. 6th ed. Saunders; 2011:4045-4055.
  3. Spetzler RF, Kalani MYS, Nakaji P, eds. Neurovascular Surgery. 2nd ed. Thieme; 2015:791-814.
  4. Mohr JP, et al. A Randomized trial of Unruptured Brain Arteriovenous malformations (ARUBA). Lancet. 2014.
  5. Derdeyn CP, et al. Management of Brain Arteriovenous Malformations: Scientific Statement. Stroke (AHA/ASA). 2017.
Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.