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Neurologische Infektionen

Hirnabszess

Ein Hirnabszess ist eine abgekapselte, eitrige Infektionsansammlung im Hirngewebe. Er entwickelt sich auf dem Boden benachbarter Infektionsherde (Sinusitis, Mittelohrentzündung, Zahninfektion), einer hämatogenen Streuung, eines Trauma-Eingriffs oder einer Immunsuppression. Die häufigsten Erreger sind Streptokokken. Typische Merkmale sind Kopfschmerzen, Fieber und ein fokales neurologisches Defizit. Die Diagnose erfolgt mit einem kontrastverstärkten Schädel-MRT, und die Behandlung ist meist eine Kombination aus Antibiotika und chirurgischer Drainage.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07

Definition und Entstehung

Ein Hirnabszess ist eine fokale eitrige Infektion, die entsteht, wenn sich bakterielle, fungale oder parasitäre Mikroorganismen im Hirngewebe ansiedeln. Der Prozess verläuft in vier Stadien: frühe Zerebritis, späte Zerebritis, frühe Kapselbildung und späte Kapselbildung. Das Verständnis dieser Stadien beeinflusst die Behandlungswahl; im Frühstadium können Antibiotika wirksamer sein, während bei einem reifen (abgekapselten) Abszess die chirurgische Drainage in den Vordergrund tritt.

Infektionswege und Erreger

Die häufigste Ursache ist ein benachbarter Infektionsherd: paranasale Sinusitis (Stirnlappenabszess), Mittelohrentzündung/Mastoiditis (Schläfenlappen- oder Kleinhirnabszess) und Zahninfektion. Eine hämatogene Streuung tritt auf dem Boden einer Endokarditis, einer Lungeninfektion, einer zyanotischen angeborenen Herzerkrankung oder einer pulmonalen arteriovenösen Malformation auf und führt meist zu multiplen Abszessen. Er wird auch nach Trauma und Operation sowie bei immunsupprimierten Patienten gesehen. Die häufigsten Erreger sind aerobe und anaerobe Streptokokken; Staphylococcus aureus, gramnegative Bakterien, Anaerobier und bei Immunsuppression auch Pilze spielen eine Rolle.

Symptome

Die klassische Trias aus Kopfschmerzen, Fieber und fokalem neurologischem Defizit liegt nur bei einem Teil der Patienten gemeinsam vor. Kopfschmerzen sind das häufigste Symptom; sie sind fortschreitend und stark. Fieber ist meist leicht bis mäßig und kann bei immunsupprimierten Patienten fehlen. Das fokale neurologische Defizit variiert mit der Lage des Abszesses (Schwäche, Sprachstörung, Gesichtsfeldausfall, Gleichgewichtsstörung). Krampfanfälle, Bewusstseinsveränderungen, Übelkeit-Erbrechen und ein Papillenödem durch erhöhten Hirndruck können auftreten.

Diagnose

Das kontrastverstärkte Schädel-MRT ist der Goldstandard der Diagnose. Das klassische Erscheinungsbild ist eine dünn- und glattwandige ringförmig anreichernde Läsion mit flüssigkeitshaltigem Zentrum. Die Diffusions-MRT (DWI/ADC) zeigt eine eingeschränkte Diffusion im Abszesszentrum, ein Merkmal, das wertvoll ist, um ihn von einer Tumornekrose zu unterscheiden. Die kontrastverstärkte CT wird verwendet, wenn ein MRT nicht verfügbar ist oder in einem Notfall. Blutkulturen und Laboruntersuchungen sind unterstützend; der definitive Erreger wird durch Kultur und Gram-Färbung des bei der Operation gewonnenen Abszessinhalts identifiziert. Bei Vorliegen eines Masseneffekts ist die Lumbalpunktion wegen der Herniationsgefahr kontraindiziert.

Behandlung

Die Behandlung ist meist eine Kombination aus Antibiotika und chirurgischer Drainage; diese Kombination erzielt einen höheren Erfolg als Antibiotika allein. Die empirischen Antibiotika werden nach Quelle und Risikofaktoren gewählt (zum Beispiel ein Cephalosporin der dritten Generation und Metronidazol; bei Trauma-/Operationsanamnese wird Vancomycin hinzugefügt), und die Gesamtbehandlung dauert meist 6-8 Wochen. Eine Operation ist angezeigt, wenn der Abszess groß ist, ein Masseneffekt besteht, er einem Ventrikel nahe liegt oder kein Ansprechen auf Antibiotika erfolgt. Die erste Wahl ist meist die minimalinvasive stereotaktische Aspiration; bei großen, mehrkammrigen, fungalen oder rezidivierenden Abszessen können Kraniotomie und Exzision bevorzugt werden.

Herdsanierung und Prognose

Die Behandlung des zugrunde liegenden Infektionsherds (Sinusitis, Mastoiditis, Zahninfektion, Endokarditis) ist entscheidend, um einen Rückfall zu verhindern. Nach der Operation werden Antibiotika fortgesetzt, bei Bedarf eine antiepileptische Behandlung gegeben und die Nachsorge mit seriellen MRT durchgeführt. Die wichtigsten prognostischen Faktoren sind die Lage des Abszesses, das Bewusstseinsniveau des Patienten, die Zahl der Abszesse und der verursachende Erreger. Mit moderner Behandlung sind die Ergebnisse im Allgemeinen günstig; jedoch können bei manchen Patienten bleibende neurologische Folgeschäden (Epilepsie, motorisches Defizit, kognitive Beeinträchtigung) zurückbleiben. Die Ergebnisse sind individuell und können nicht garantiert werden.

Quellen

  1. Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:343-350.
  2. Brouwer MC, Coutinho JM, van de Beek D. Clinical characteristics and outcome of brain abscess: systematic review and meta-analysis. Neurology. 2014;82(9):806-813.
  3. Sonneville R, Ruimy R, Benzonana N, et al. An update on bacterial brain abscess in immunocompetent patients. Clin Microbiol Infect. 2017;23(9):614-620.
Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.