Dissektion der zervikozerebralen Arterien
Die Dissektion der zervikozerebralen Arterien ist ein Zustand, bei dem Blut zwischen die Wandschichten der Hals- und Hirnarterien (Karotis- oder Vertebralarterie) eindringt und zu einer Verengung oder einem Verschluss des Gefäßes führt. Sie ist eine wichtige Ursache für Schlaganfälle bei jungen und mittelalten Erwachsenen.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07
Definition
Eine arterielle Dissektion entsteht, wenn ein Einriss zwischen den Wandschichten der inneren Karotisarterie oder der Vertebralarterie auftritt und sich Blut innerhalb der Wand ansammelt (intramurales Hämatom). Diese Ansammlung verengt oder verschließt das Gefäßlumen und kann eine Aussackung in der Wand bilden (Pseudoaneurysma). Sie macht einen erheblichen Anteil der ischämischen Schlaganfälle bei jungen und mittelalten Erwachsenen aus und ist ein wichtiger Gefäßnotfall.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine Dissektion kann auf mechanische Kräfte wie ein Kopf-Hals-Trauma, eine plötzliche Drehung/Überstreckung des Halses oder eine Halsmanipulation folgen oder spontan auftreten. In spontanen Fällen kann eine zugrunde liegende Gefäßwanderkrankung vorliegen, die die Arterie schwächt (zum Beispiel fibromuskuläre Dysplasie, Ehlers-Danlos- oder Marfan-Syndrom). Auch geringe Belastungen wie Husten, Erbrechen oder bestimmte sportliche Bewegungen können sie auslösen. Bluthochdruck und Migräne sind zusätzliche Risikofaktoren.
Symptome
Eine Karotisdissektion kann plötzliche einseitige Hals-, Kiefer- oder Gesichtsschmerzen, ein Herabhängen des Augenlids und eine Pupillenverengung auf derselben Seite (Horner-Syndrom) sowie ein pulsierendes Ohrgeräusch verursachen. Eine Dissektion der Vertebralarterie kann okzipitale/Nackenschmerzen, Schwindel, Doppeltsehen, Gleichgewichtsstörungen und Schluckbeschwerden verursachen. Innerhalb von Stunden bis Tagen nach der Dissektion kann sich eine transitorische ischämische Attacke oder ein Schlaganfall entwickeln, daher ist eine frühe Diagnose wichtig.
Diagnose
Die Bildgebung der ersten Wahl ist die schnelle, nicht-invasive CT-Angiografie oder MR-Angiografie. Fettunterdrückte T1-MRT-Sequenzen zeigen das intramurale Hämatom in der Gefäßwand. Typische Befunde sind eine langstreckige Verengung, eine flammenförmige Verjüngung und das Bild eines doppelten Lumens. Die digitale Subtraktionsangiografie (DSA) ist der Goldstandard, wird jedoch als invasives Verfahren in der Regel nur eingesetzt, wenn die Diagnose unklar ist oder eine endovaskuläre Behandlung geplant wird.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist die Verhinderung eines gerinnselbedingten (thromboembolischen) Schlaganfalls. Der Ansatz der ersten Wahl ist die antithrombotische Therapie; Studien haben gezeigt, dass eine Antikoagulation und eine Thrombozytenaggregationshemmung ähnlich wirksam sind. Die Behandlung wird in der Regel über mehrere Monate fortgesetzt und anschließend mit einem Thrombozytenaggregationshemmer aufrechterhalten. Eine endovaskuläre Behandlung (Stent/Ballon) oder selten eine Operation wird in ausgewählten Situationen erwogen, etwa bei fortschreitender Verengung, die auf eine konservative Therapie nicht anspricht, bei wiederkehrenden Embolien oder unzureichender Hirndurchblutung.
Prognose
Die große Mehrheit der Dissektionen heilt innerhalb weniger Monate spontan ab (Wiedereröffnung des Gefäßes und Resorption des intramuralen Bluts). Das höchste Schlaganfallrisiko besteht in den ersten Tagen und Wochen; eine frühe antithrombotische Therapie verringert dieses Risiko. Während der Erholung wird empfohlen, belastende Nackenbewegungen und Kontaktsportarten zu vermeiden. Das Rezidivrisiko ist im Allgemeinen gering, steigt jedoch beim Vorliegen einer zugrunde liegenden Gefäßwanderkrankung. Die Ergebnisse sind von Patient zu Patient unterschiedlich und können nicht garantiert werden.
Quellen
- Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1579-1581.
- Markus HS, et al. Antiplatelet versus Anticoagulation in Cervical Artery Dissection (CADISS). Lancet Neurol. 2015.
- Debette S, Leys D. Cervical-artery dissections: predisposing factors, diagnosis, and outcome. Lancet Neurol. 2009.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.