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Tethered-Cord-Syndrom (angeheftetes Rückenmark)

Das Tethered-Cord-Syndrom ist ein Zustand, bei dem das untere Ende des Rückenmarks durch abnormes Gewebe an den unteren Wirbelkanal angeheftet ist und unter Spannung steht. Die Spannung nimmt mit dem Wachstum zu und kann fortschreitende neurologische Schäden verursachen. Eine frühe Diagnose und die operative Lösung (Detethering) zielen darauf ab, das Fortschreiten aufzuhalten.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07

Definition

Beim Tethered-Cord-Syndrom ist das untere Ende des Rückenmarks (Conus medullaris), das normalerweise frei etwa in Höhe L1-L2 endet, durch abnormes Gewebe weiter unten fixiert und unter Spannung gehalten. Während die Wirbelsäule im Kindesalter wächst, das Rückenmark aber angeheftet bleibt, steigt die Spannung; diese mechanische Belastung und die gestörte Mikrozirkulation können mit der Zeit zu einer neurologischen Schädigung führen.

Ursachen

Die wichtigsten anheftenden Strukturen sind ein verdicktes, verkürztes Filum terminale, ein Lipom (Lipomyelomeningozele), Narbengewebe nach früheren Operationen oder einer Spina-bifida-Korrektur, Dermoid-/Epidermoidzysten und eine Diastematomyelie. Der Zustand wird daher als angeboren (mit begleitenden Entwicklungsanomalien) oder erworben (Vernarbung nach Operation oder Trauma) eingeteilt. Angeborene Fälle treten oft im Kindesalter auf, während erworbene Fälle in jedem Alter auftreten können.

Symptome

Die Symptome sind schleichend und fortschreitend. Rücken- und Beinschmerzen (besonders bei Aktivität), fortschreitende Beinschwäche und Muskelschwund, Gangstörungen, Fußdeformitäten (Hohlfuß, Fußheberschwäche) und Gefühlsverlust können auftreten. Eine Blasenfunktionsstörung (Inkontinenz, häufiges Wasserlassen, wiederkehrende Infektionen) und Darmprobleme sind häufig. Hautbefunde über dem unteren Rücken – Haarbüschel, Hämangiom, Lipom oder ein sakrales Grübchen – können auf eine zugrunde liegende Anomalie hinweisen. Die Symptome können sich in Phasen raschen Wachstums verschlechtern.

Diagnose

Die Diagnose stützt sich auf den klinischen Verdacht und die Bildgebung. Die Magnetresonanztomografie (MRT) der Wirbelsäule ist die Referenzmethode und zeigt einen tiefstehenden Conus medullaris, ein verdicktes Filum terminale und begleitende Anomalien (Lipom, Dermoidzyste, Diastematomyelie). Neurophysiologische Tests (somatosensorisch und motorisch evozierte Potenziale, EMG) beurteilen die Funktion von Rückenmark und Nervenwurzeln. Urodynamische Untersuchungen bewerten die Blase. Bei Säuglingen mit Hautbefunden wird eine Screening-MRT der Wirbelsäule empfohlen.

Behandlung

Die Behandlung ist die operative Lösung (Detethering). In Vollnarkose eröffnet eine Laminektomie den Wirbelkanal, und unterhalb der Dura wird die anheftende Struktur (verdicktes Filum terminale, Lipom, fibröse Bänder oder Narbe) mit mikrochirurgischer Technik durchtrennt oder entfernt. Ein intraoperatives neurophysiologisches Monitoring hilft, Rückenmark und Nervenwurzeln zu schützen. Ziel ist es, die vorhandene Funktion zu erhalten und das Fortschreiten aufzuhalten; Schmerzen und Blasensymptome bessern sich oft, während etablierte motorische Defizite sich meist nur teilweise erholen. Bei asymptomatischen, zufällig entdeckten Fällen mit tiefstehendem Konus kann eine Beobachtung bevorzugt werden.

Verlauf und erneute Anheftung

Eine früh durchgeführte Operation, solange die Symptome noch mild sind, ergibt tendenziell bessere Ergebnisse. Bei einigen Patienten können Narbengewebe oder Verwachsungen nach der Operation zu einer erneuten Anheftung führen, und ein Wiederauftreten der Symptome kann eine erneute Operation erfordern. Daher ist eine langfristige Nachsorge mit regelmäßiger neurologischer Untersuchung und bei Bedarf MRT wichtig. Die Ergebnisse sind von Patient zu Patient unterschiedlich und können nicht garantiert werden.

Quellen

  1. Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:290-291.
  2. Yamada S, Won DJ, Yamada SM. Pathophysiology of tethered cord syndrome: correlation with symptomatology. Neurosurg Focus. 2004;16(2):E6.
  3. Hertzler DA, DePowell JJ, Stevenson CB, Mangano FT. Tethered cord syndrome: a review of the literature from embryology to adult presentation. Neurosurg Focus. 2010;29(1):E1.
Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.