Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung)
Der hämorrhagische Schlaganfall ist ein plötzlicher, lebensbedrohlicher neurologischer Notfall, der durch eine spontane Blutung in das Hirngewebe (intrazerebrale Blutung) verursacht wird. Er macht etwa 10-20 % aller Schlaganfälle aus; die häufigste Ursache ist ein unkontrollierter Bluthochdruck.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07
Definition
Ein hämorrhagischer Schlaganfall (intrazerebrale Blutung) entsteht, wenn ein Hirngefäß reißt und in das Hirngewebe blutet. Er ist seltener als der ischämische Schlaganfall, aber oft schwerer; das entstehende Hämatom (Blutansammlung) drückt auf umliegendes Gewebe und beeinträchtigt zusammen mit Ödem und steigendem Hirndruck die Hirnfunktion. Er ist von der durch eine Aneurysmaruptur verursachten Subarachnoidalblutung zu unterscheiden.
Ursachen und Risikofaktoren
Die häufigste Ursache ist ein chronischer Bluthochdruck, der kleine Gefäße in typischen Regionen wie den Basalganglien, dem Thalamus, der Brücke und dem Kleinhirn schwächt und zu Blutungen führt. Bei älteren Patienten sind die zerebrale Amyloidangiopathie (lobäre Blutungen nahe der Hirnoberfläche), die Einnahme von Blutverdünnern (Antikoagulanzien), Gefäßmissbildungen (AVM, Kavernom), Tumoren und Gerinnungsstörungen weitere Ursachen. Bei jüngeren Patienten stehen Gefäßmissbildungen stärker im Vordergrund.
Symptome
Die Symptome beginnen plötzlich; anders als beim ischämischen Schlaganfall sind Kopfschmerzen, Übelkeit/Erbrechen und Bewusstseinsstörungen häufiger. Je nach Ort der Blutung können einseitige Schwäche, Gefühlsverlust, Sprachstörung, Gesichtsfeldausfall, Gleichgewichtsstörung und Krampfanfälle auftreten. Eine rasche Bewusstseinsverschlechterung, eine einseitige Pupillenerweiterung oder eine unregelmäßige Atmung sind Notfallzeichen eines erhöhten Hirndrucks.
Diagnose
Die native Computertomografie (CT) des Gehirns ist der Goldstandard für die Notfalldiagnose; innerhalb von Sekunden zeigt sie Lage und Größe der Blutung, eine Mittellinienverlagerung und ob Blut in die Ventrikel eingebrochen ist. Die MRT hilft, das Alter der Blutung und alte Mikroblutungen zu beurteilen. Bei jüngeren Patienten oder atypischer Lage werden CT-/MR-Angiografie und bei Bedarf eine digitale Subtraktionsangiografie (DSA) durchgeführt, um eine zugrunde liegende Gefäßursache zu suchen.
Behandlung
Die Behandlung erfolgt auf der Intensivstation. In den ersten Stunden stehen eine kontrollierte Blutdrucksenkung zur Begrenzung des Hämatomwachstums und bei antikoagulanzienbedingten Blutungen die Korrektur der Gerinnung im Vordergrund. Der Hirndruck wird kontrolliert, und bei Bedarf kann Hirnwasser abgeleitet werden (externe Ventrikeldrainage). Eine Operation (Hämatomentleerung) kann in ausgewählten Fällen lebensrettend sein, insbesondere bei Kleinhirnblutung oder großen oberflächlichen lobären Blutungen; sie ist nicht für jeden Patienten geeignet.
Prognose
Der hämorrhagische Schlaganfall hat eine höhere Sterblichkeit als der ischämische Schlaganfall; das Ergebnis hängt von Größe und Lage des Hämatoms, dem Bewusstseinsgrad, einem Ventrikeleinbruch, dem Alter des Patienten und Komplikationen ab. Überlebende können bleibende neurologische Einschränkungen haben, und die Rehabilitation ist wichtig. Das Risiko einer Nachblutung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab und wird durch die Kontrolle der Risikofaktoren gesenkt. Die Ergebnisse sind von Patient zu Patient unterschiedlich und können nicht garantiert werden.
Quellen
- Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1608-1617.
- Winn HR, ed. Youmans Neurological Surgery. 6th ed. Saunders; 2011:3563-3572.
- Greenberg SM, et al. Guideline for the Management of Patients With Spontaneous Intracerebral Hemorrhage. Stroke (AHA/ASA). 2022.
- Mendelow AD, et al. Early Surgery versus Conservative Treatment in Intracerebral Haematomas (STICH). Lancet. 2005.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.