Ischämischer Schlaganfall
Der ischämische Schlaganfall ist ein akuter neurologischer Notfall, der durch den Verschluss einer das Gehirn versorgenden Arterie durch ein Gerinnsel oder eine atherosklerotische Plaque verursacht wird, wodurch dem Hirngewebe Sauerstoff entzogen wird und Zellen absterben. Er macht etwa 85 % aller Schlaganfälle aus; die Zeit bis zur Behandlung ist entscheidend.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07
Definition
Ein ischämischer Schlaganfall entsteht, wenn eine das Gehirn versorgende Arterie verschlossen wird, sodass den Hirnzellen Sauerstoff und Glukose entzogen werden und sie absterben. Er wird auch als Hirninfarkt bezeichnet und macht etwa 85 % aller Schlaganfälle aus. Um den irreversibel geschädigten Infarktkern liegt ein Bereich mit verminderter Durchblutung, der noch zu retten ist (die Penumbra); das Hauptziel der Behandlung ist die Rettung dieses Gewebes.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein ischämischer Schlaganfall kann durch Atherosklerose der großen Arterien, eine kardiale Embolie (meist Vorhofflimmern), eine Kleingefäßerkrankung (lakunär) oder seltenere Ursachen entstehen. Wichtige beeinflussbare Risikofaktoren sind Bluthochdruck (der wichtigste), Diabetes, hohes Cholesterin, Vorhofflimmern, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und Schlafapnoe. Alter, Geschlecht, familiäre Vorbelastung und ein früherer Schlaganfall/TIA sind nicht beeinflussbar. Die Kontrolle der Risikofaktoren kann einen großen Teil der Schlaganfälle verhindern.
Symptome
Die Symptome beginnen meist plötzlich und hängen vom Versorgungsgebiet der verschlossenen Arterie ab. Die für die Öffentlichkeit gedachte FAST-Merkregel unterstützt das Erkennen: hängender Mundwinkel (Face), einseitige Arm-/Beinschwäche (Arm), Sprachstörung (Speech) und unverzüglicher Notruf (Time). Weitere Anzeichen sind einseitige Taubheit, plötzlicher Sehverlust, Doppelbilder, Schwindel sowie Gleichgewichts- oder Gangstörungen. Diese Anzeichen erfordern eine notfallmäßige Abklärung.
Diagnose
Die erste Untersuchung ist eine native Computertomografie (CT) des Gehirns zum Ausschluss einer Blutung, was vor einer gerinnselauflösenden Therapie zwingend erforderlich ist. Die diffusionsgewichtete MRT (DWI) zeigt den akuten Infarkt früh und empfindlich. CT-/MR-Angiografie und bei Bedarf Perfusionsbildgebung identifizieren das verschlossene Gefäß und leiten die mechanische Behandlung. Nach der Behandlung dienen Karotis-Doppler, EKG, Rhythmusüberwachung und Echokardiografie der Ursachensuche.
Behandlung
In der Akutphase besteht das Ziel darin, die verschlossene Arterie möglichst früh wieder zu eröffnen. Geeignete Patienten erhalten im frühen Zeitfenster eine intravenöse gerinnselauflösende Therapie (Thrombolyse). Bei einem Verschluss großer Gefäße kann die mechanische Thrombektomie (kathetergestützte Gerinnselentfernung) ausgewählten Patienten auch im erweiterten Zeitfenster nützen. Eine Thrombozytenaggregationshemmung wird früh begonnen. Zur langfristigen Rezidivprophylaxe werden eine Thrombozytenaggregationshemmung oder (bei Vorhofflimmern) eine Antikoagulation, Statine, Blutdruck- und Diabeteskontrolle sowie Lebensstiländerungen eingesetzt.
Prognose und Rehabilitation
Die Ergebnisse hängen eng mit der Zeit bis zur Behandlung, der Lage und Größe des Infarkts, dem Alter des Patienten und Begleiterkrankungen zusammen. Eine frühe, wirksame Behandlung verbessert die Genesungschancen. Die Rehabilitation (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) ist für funktionelle Fortschritte wichtig, wobei der größte Teil der Erholung in den ersten Monaten erfolgt. Die Ergebnisse sind von Patient zu Patient unterschiedlich und keines ist garantiert.
Quellen
- Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:1559-1572.
- Winn HR, ed. Youmans Neurological Surgery. 6th ed. Saunders; 2011:3563-3572.
- Powers WJ, et al. Guidelines for the Early Management of Patients With Acute Ischemic Stroke. Stroke (AHA/ASA). 2019.
- Goyal M, et al. Endovascular thrombectomy after large-vessel ischaemic stroke (HERMES meta-analysis). Lancet. 2016.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.