Karpaltunnelsyndrom
Das Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste Engpassneuropathie und entsteht durch die Einklemmung des Nervus medianus im Karpaltunnel am Handgelenk; es verursacht Taubheit, Kribbeln und Schmerzen im Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und der Hälfte des Ringfingers. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad: konservative Verfahren wie Schiene und Injektion in leichten Fällen und die operative Karpaltunnelspaltung (Release) in therapieresistenten oder fortgeschrittenen Fällen.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07
Definition
Das Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste Engpassneuropathie und entsteht, wenn der Nervus medianus im Karpaltunnel auf der Handflächenseite des Handgelenks komprimiert wird. Der Karpaltunnel ist ein enger Kanal, der von den Handwurzelknochen und dem queren Karpalband (Retinaculum flexorum) gebildet wird; durch ihn verlaufen der Nervus medianus und die Beugesehnen, die die Finger beugen. Ein erhöhter Druck im Tunnel komprimiert den Nervus medianus und ruft die charakteristischen Beschwerden hervor.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein erheblicher Teil der Fälle entwickelt sich ohne erkennbare Ursache (idiopathisch). Bekannte Risikofaktoren sind weibliches Geschlecht (häufiger betroffen), das Lebensalter 40-60 Jahre, wiederholte und kraftvolle Handgelenksbewegungen, bestimmte systemische Erkrankungen (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, rheumatoide Arthritis, Amyloidose), Schwangerschaft (eine mit Hormonen und Flüssigkeitseinlagerung zusammenhängende Form, die sich meist nach der Entbindung zurückbildet), Adipositas und Handgelenkverletzungen (zum Beispiel eine distale Radiusfraktur). Auch Raumforderungen im Karpaltunnel (Ganglion, Lipom) und anatomische Varianten wie ein enger Tunnel können verantwortlich sein.
Symptome
Früh treten Taubheit und Kribbeln im Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und der vom Nervus medianus versorgten Hälfte des Ringfingers auf. Die Beschwerden verschlimmern sich typischerweise nachts, können den Patienten aus dem Schlaf wecken und lassen sich durch Schütteln der Hand vorübergehend lindern (Flick-Zeichen). Der Schmerz kann vom Handgelenk in den Unterarm und manchmal in die Schulter ausstrahlen. Mit Fortschreiten der Erkrankung können anhaltende Taubheit, verminderte Greifkraft (Schwierigkeiten beim Öffnen von Schraubdeckeln), eine Beeinträchtigung der Feinmotorik und das Fallenlassen von Gegenständen auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich ein Schwund der Muskeln am Daumenballen (Thenaratrophie) entwickeln. Die Beschwerden sind häufig beidseitig.
Diagnose
Die Diagnose beruht vor allem auf der klinischen Anamnese und Untersuchung. Bei der Untersuchung kommen der Phalen-Test (Auslösen der Beschwerden durch gebeugtes Halten des Handgelenks), das Tinel-Zeichen (Kribbeln im Versorgungsgebiet des Nervus medianus bei Beklopfen über dem Karpaltunnel) und der Durkan-Test (Karpalkompression) zum Einsatz; im fortgeschrittenen Stadium können eine Thenaratrophie und eine Schwäche der Daumenabduktion gefunden werden. Elektromyographie (EMG) und Nervenleitstudie sind die wichtigsten Tests zur Bestätigung der Diagnose, zur Einstufung des Schweregrads (leicht, mittel, schwer) und zur Unterstützung der Differenzialdiagnose. Die Sonographie kann die Dicke des Nervus medianus beurteilen. Die Differenzialdiagnose sollte eine zervikale Radikulopathie (C6), das Pronator-teres-Syndrom und die De-Quervain-Tendovaginitis umfassen.
Medikamentöse (konservative) Behandlung
Die konservative Behandlung ist die erste Wahl bei leichten bis mittelschweren Fällen mit kurzdauernden Beschwerden. Eine Schiene, die das Handgelenk in neutraler Stellung hält (insbesondere nachts getragen), kann die Beschwerden lindern. Eine Kortikosteroid-Injektion in den Karpaltunnel verschafft vielen Patienten eine mehrmonatige Erleichterung. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Nervengleitübungen können unterstützend wirken. Schwangerschaftsbedingte Fälle bilden sich häufig nach der Entbindung von selbst zurück. Bleibt die konservative Behandlung über einen gewissen Zeitraum ohne Erfolg oder ist die Erkrankung mittelschwer bis fortgeschritten, kommt eine Operation in Betracht.
Operative Behandlung: Karpaltunnelspaltung (Release)
Die Karpaltunnelspaltung wird bei Fällen durchgeführt, die nicht auf die konservative Behandlung ansprechen oder ein mittleres bis fortgeschrittenes Stadium erreicht haben. Bei dem Eingriff wird das quere Karpalband (Retinaculum flexorum) durchtrennt, um den Karpaltunnel zu erweitern und den Druck auf den Nervus medianus zu beseitigen. Es gibt zwei Haupttechniken: bei der offenen Operation wird das Band unter direkter Sicht über einen kleinen Schnitt in der Handfläche durchtrennt; bei der endoskopischen Operation erfolgt die Durchtrennung unter Führung einer über einen kleineren Schnitt eingebrachten Kamera, und die Genesung kann schneller verlaufen. Der Eingriff kann häufig in Lokalanästhesie und ambulant durchgeführt werden. Die Operation verringert oder beseitigt die Beschwerden bei den meisten Patienten deutlich; hat sich jedoch im fortgeschrittenen Stadium eine Thenaratrophie entwickelt, kehrt die Kraft möglicherweise nicht vollständig zurück. Mögliche Nebenwirkungen sind vorübergehende Handflächenschmerzen, Narbenempfindlichkeit und selten eine Nerven- oder Gefäßverletzung.
Prognose und Genesung
Die Genesung nach einer Karpaltunnelspaltung verläuft meist allmählich; Taubheit und Kribbeln nehmen bei den meisten Patienten rasch ab, doch in fortgeschrittenen Fällen kann die Nervenerholung Monate dauern. Der Gebrauch der Hand beginnt früh, während schweres Heben und anstrengende Tätigkeiten eine Zeit lang eingeschränkt werden. Ein frühzeitiger Eingriff liefert bessere Ergebnisse, bevor sich dauerhafte Nervenschäden und Muskelschwund entwickeln. Ein Rückfall nach der Operation ist selten. Ergonomische Anpassungen, die Kontrolle der Risikofaktoren und bei Bedarf der Gebrauch einer Schiene helfen, einem Wiederauftreten vorzubeugen. Die Ergebnisse sind von Person zu Person unterschiedlich, und kein Ergebnis kann garantiert werden.
Quellen
- Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:546-552.
- Winn HR, ed. Youmans Neurological Surgery. 6th ed. Saunders; 2011:2427-2439.
- American Academy of Orthopaedic Surgeons. Management of Carpal Tunnel Syndrome Evidence-Based Clinical Practice Guideline. AAOS; 2016.
- Padua L, Coraci D, Erra C, et al. Carpal tunnel syndrome: clinical features, diagnosis, and management. Lancet Neurol. 2016;15(12):1273-1284.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.