Meningitis
Die Meningitis ist eine Entzündung der Häute (Meningen), die Gehirn und Rückenmark umgeben. Sie kann durch bakterielle, virale, pilzbedingte oder parasitäre Ursachen entstehen. Die bakterielle Meningitis ist die schwerste Form und kann, wenn sie nicht dringend behandelt wird, innerhalb von Stunden bis Tagen zum Tod oder zu bleibenden neurologischen Schäden führen; die virale Meningitis verläuft meist milder. Die klassische Trias besteht aus Fieber, Kopfschmerz und Nackensteifigkeit. Die Diagnose wird durch Lumbalpunktion und Analyse des Liquor cerebrospinalis (Liquor) gestellt.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07
Definition und Erreger
Die Meningitis ist eine Entzündung des Subarachnoidalraums und des Liquor cerebrospinalis (Liquor). Die bakterielle Meningitis wird am häufigsten durch Streptococcus pneumoniae und Neisseria meningitidis verursacht; mit der Verbreitung der Impfung ist Haemophilus influenzae zurückgegangen. Bei Neugeborenen überwiegen Streptokokken der Gruppe B, E. coli und Listerien; bei älteren und immunsupprimierten Patienten treten Listerien und gramnegative Bakterien in den Vordergrund. Die virale Meningitis wird am häufigsten durch Enteroviren verursacht. Pilz- und tuberkulöse Meningitis verlaufen chronisch und treten meist bei immunsupprimierten Patienten auf.
Pathogenese
Bei der bakteriellen Meningitis besiedeln die Erreger zunächst den Nasenrachenraum, durchdringen die Schleimhaut ins Blut (Bakteriämie) und erreichen über die Blut-Hirn-Schranke den Subarachnoidalraum. Die bakterielle Vermehrung im Liquor löst eine starke Entzündungsreaktion aus; Zytokinfreisetzung, erhöhte Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, Hirnödem, erhöhter Hirndruck und zerebrale Ischämie können entstehen. Eine direkte Ausbreitung von benachbarten Infektionen wie Sinusitis, Otitis media und Mastoiditis oder von einem Liquorleck aufgrund einer Schädelbasisfraktur ist ein weiterer Mechanismus.
Symptome
Die klassische Trias aus Fieber, starkem Kopfschmerz und Nackensteifigkeit liegt bei nahezu der Hälfte der Patienten gemeinsam vor; bei der großen Mehrheit sind jedoch mindestens zwei dieser Merkmale vorhanden. Begleitende Befunde sind Lichtscheu, Übelkeit-Erbrechen, Bewusstseinsstörung und Krampfanfälle. Bei der Meningitis durch Neisseria meningitidis kann ein petechialer/purpurischer Ausschlag auftreten und ein rasch fortschreitendes schweres Bild (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) entstehen. Bei Säuglingen können Reizbarkeit, Trinkschwäche und eine vorgewölbte Fontanelle, bei älteren Menschen ein atypisches Bild und Verwirrtheit überwiegen.
Diagnose
Lumbalpunktion und Liquoranalyse sind der Goldstandard der Diagnose. Bei der bakteriellen Meningitis erscheint der Liquor trüb; die Leukozytenzahl ist deutlich erhöht (neutrophilenbetont), das Eiweiß hoch und die Glukose niedrig. Bei der viralen Meningitis ist der Anstieg der Leukozyten geringer (lymphozytenbetont) und die Glukose normal. Gramfärbung und Liquorkultur identifizieren den Erreger; vor Antibiotika entnommene Blutkulturen und schnelle PCR-Tests tragen zur Diagnose bei. In ausgewählten Situationen wie immunsupprimierter Patient, neuer Krampfanfall, Papillenödem, fokales neurologisches Defizit oder Bewusstseinsstörung wird vor der Lumbalpunktion eine CT des Gehirns angefordert.
Behandlung — bakterielle Meningitis
Die bakterielle Meningitis ist ein Notfall; jede Stunde Verzögerung verschlechtert die Prognose. Bei Verdacht werden empirische Antibiotika innerhalb der ersten Stunde unmittelbar nach Abnahme der Blutkulturen begonnen, bei Bedarf ohne das Ergebnis der Lumbalpunktion abzuwarten. Die empirische Therapie wird nach Alter und Risikofaktoren gewählt (häufig ein Cephalosporin der dritten Generation mit Vancomycin; bei älteren oder immunsupprimierten Patienten wird Ampicillin zur Listerienabdeckung ergänzt). Anschließend wird die Behandlung gezielt nach Kulturergebnis ausgerichtet. Dexamethason (ein Kortikosteroid), unmittelbar vor oder zusammen mit Antibiotika begonnen, senkt das Risiko von Folgeschäden wie Hörverlust, besonders bei der Pneumokokkenmeningitis.
Vorbeugung und Prognose
Die Impfung ist das wirksamste Mittel der Vorbeugung: Impfstoffe gegen Haemophilus influenzae Typ b, Pneumokokken und Meningokokken sind in Routineprogrammen enthalten. Bei der Meningitis durch Neisseria meningitidis wird engen Kontaktpersonen innerhalb der ersten 24 Stunden eine Antibiotikaprophylaxe empfohlen. Die virale Meningitis heilt meist mit unterstützender Behandlung spontan aus (bei HSV-Meningitis wird Aciclovir gegeben). Bei der bakteriellen Meningitis ist die Sterblichkeit selbst bei früher Behandlung nicht niedrig, und ein erheblicher Anteil der Überlebenden kann bleibende Folgeschäden wie Hörverlust, kognitive Beeinträchtigung oder Epilepsie aufweisen. Die Ergebnisse sind individuell und können nicht garantiert werden.
Quellen
- Greenberg MS. Greenberg's Handbook of Neurosurgery. 10th ed. Thieme; 2023:340-343.
- Tunkel AR, Hartman BJ, Kaplan SL, et al. Practice guidelines for the management of bacterial meningitis. Clin Infect Dis. 2004;39(9):1267-1284.
- van de Beek D, Cabellos C, Dzupova O, et al. ESCMID guideline: diagnosis and treatment of acute bacterial meningitis. Clin Microbiol Infect. 2016;22(Suppl 3):S37-S62.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.