Morton-Neurom
Das Morton-Neurom (intermetatarsales Neurom) ist eine gutartige Verdickung und Fibrose des plantaren Digitalnervs an seinem Verlauf zwischen den Mittelfußköpfchen im Vorfuß. Es handelt sich nicht um einen echten Tumor, sondern um eine durch chronische Nervenreizung verursachte Bindegewebsproliferation. Es tritt am häufigsten zwischen der dritten und vierten Zehe auf und äußert sich durch brennende, stechende, elektrisierende Schmerzen im Vorfuß. Die Behandlung ist zunächst konservativ; in therapieresistenten Fällen kommen Operationen oder minimalinvasive Verfahren zum Einsatz.
Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07
Definition und Pathophysiologie
Das Morton-Neurom ist eine Verdickung und perineurale Fibrose des gemeinsamen plantaren Digitalnervs, der zwischen den Mittelfußköpfchen verläuft, verursacht durch chronische mechanische Reizung. Obwohl es als „Neurom“ bezeichnet wird, ist es kein echter Tumor, sondern eine Proliferation von Bindegewebe. Es tritt am häufigsten im dritten Intermetatarsalraum (zwischen der dritten und vierten Zehe) auf, der engsten und beweglichsten Durchtrittsstelle. Enge, hochhackige Schuhe drängen die Mittelfußköpfchen zusammen und komprimieren den Nerv; wiederholte Mikrotraumen beim Gehen führen zu Demyelinisierung, Ödem und Fibrose. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.
Risikofaktoren
Der wichtigste Risikofaktor sind enge, hochhackige Schuhe, die das Körpergewicht auf den Vorfuß verlagern und die Mittelfußköpfchen zusammendrücken. Langstreckengehen und Laufsport, Berufe mit langem Stehen, die Fußstruktur und biomechanische Störungen (Plattfuß/Pes planus, Hohlfuß/Pes cavus, Hammerzehe, Hallux valgus) sowie Übergewicht erhöhen das Risiko. Mittleres Lebensalter und weibliches Geschlecht sind weitere wichtige Faktoren.
Symptome
Das typischste Zeichen ist ein brennender, stechender, scharfer oder elektrisierender Schmerz im Vorfuß zwischen den Mittelfußköpfchen (meist zwischen der dritten und vierten Zehe). Der Schmerz verstärkt sich beim Tragen enger/hochhackiger Schuhe und nach langem Gehen oder Stehen. Ein sehr charakteristisches Zeichen ist die Erleichterung, wenn der Patient den Schuh auszieht und den Fuß massiert. An den einander zugewandten Flächen der betroffenen Zehen können Taubheit und Kribbeln auftreten. In fortgeschrittenen Fällen wird der Schmerz dauerhaft und schränkt die täglichen Aktivitäten ein.
Diagnose
Die Diagnose ist in erster Linie klinisch. Bei der Untersuchung findet sich eine Druckempfindlichkeit zwischen den Mittelfußköpfchen, und der Mulder-Test (ein tastbares „Klicken“ und das Wiederauftreten des Schmerzes bei Druck auf den Zwischenraum während gleichzeitiger seitlicher Kompression der Mittelfußköpfchen) hat einen hohen diagnostischen Wert. An den einander zugewandten Flächen der betroffenen Zehen kann eine verminderte Empfindung bestehen. In der Bildgebung ist die Sonografie die erste Wahl und zeigt das Neurom als echoarme, scharf begrenzte Läsion; die MRT wird besonders in unklaren Fällen und zur Operationsplanung eingesetzt. Eine deutliche Schmerzlinderung nach diagnostischer Injektion eines Lokalanästhetikums bestätigt die Diagnose und hilft, den Operationserfolg vorherzusagen. Die Differenzialdiagnose umfasst Metatarsalgie, Ermüdungsbruch des Mittelfußknochens, intermetatarsale Bursitis, Freiberg-Infarkt und diabetische Neuropathie.
Konservative Behandlung
Die konservative Behandlung ist der erste Schritt. Die Schuhanpassung ist grundlegend: empfohlen werden weite, flache oder sehr niedrig abgesetzte Schuhe mit weicher Sohle; enge, hochhackige Schuhe werden gemieden. Eine Mittelfußpelotte, die direkt hinter den Mittelfußköpfchen platziert wird, verringert die Belastung des Bereichs und erweitert den Zwischenraum; bei Bedarf wird eine maßgefertigte Orthese angefertigt. Medikamente gegen neuropathische Schmerzen und kurze Gaben von Antiphlogistika bieten symptomatischen Nutzen. Physiotherapie (Dehnübungen, Kräftigung der kurzen Fußmuskeln) und Aktivitätsanpassung werden ergänzt. Die konservative Behandlung ist bei einem erheblichen Anteil der Patienten wirksam, insbesondere in frühen und leichten Fällen.
Interventionelle und chirurgische Behandlung
In Fällen, die nicht ausreichend auf die konservative Behandlung ansprechen, kann eine Kortikosteroid-Injektion eingesetzt werden; sie bringt oft eine kurzfristige Linderung mit begrenzterem langfristigem Erfolg und erfordert Vorsicht wegen Nebenwirkungen wie Atrophie des plantaren Fettpolsters. Alkoholsklerosierung, Radiofrequenzablation und Kryotherapie sind minimalinvasive Alternativen. In therapieresistenten und schweren Fällen wird eine Operation erwogen. Der Goldstandard ist die Neuromexzision (Neurektomie): Neurom und betroffenes Nervensegment werden entfernt; da der Nerv durchtrennt wird, ist eine bleibende Taubheit an den einander zugewandten Flächen der betroffenen Zehen ein zu erwartendes Ergebnis, das die meisten Patienten im Austausch gegen Schmerzfreiheit tolerieren. Alternativ kann eine nervenerhaltende Dekompression (Neurolyse) durchgeführt werden. Mögliche Komplikationen sind Stumpfneurom und Rezidiv.
Prognose
Bei früher Diagnose und geeigneter Behandlung ist die Prognose im Allgemeinen gut. Konservative Behandlung und geeignetes Schuhwerk kontrollieren die Symptome bei einem erheblichen Anteil der Patienten; die chirurgische Exzision hat in therapieresistenten Fällen eine hohe Erfolgsrate. Lang bestehende Symptome, große oder mehrfache Neurome und begleitende Fußpathologien können die Prognose ungünstig beeinflussen. Der Behandlungserfolg ist in Rezidivfällen geringer. Der Behandlungsplan wird für jeden Patienten individuell festgelegt, und kein Ergebnis kann garantiert werden.
Quellen
- Bhatia M, Thomson L. Morton's neuroma - Current concepts review. J Clin Orthop Trauma. 2020;11(3):406-409.
- Jain S, Mannan K. The diagnosis and management of Morton's neuroma: a literature review. Foot Ankle Spec. 2013;6(4):307-317.
- Thomson CE, Gibson JN, Martin D. Interventions for the treatment of Morton's neuroma. Cochrane Database Syst Rev. 2004;(3):CD003118.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.