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Periphere Nervenchirurgie

Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS)

Das Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS) ist eine Gruppe von Symptomen, die durch Kompression des Plexus brachialis, der Arteria subclavia oder der Vena subclavia in der engen anatomischen Passage der Hals-Schulter-Region verursacht werden. Der neurogene Typ (Nervenkompression) ist am häufigsten; der arterielle und der venöse Typ sind selten. Die Behandlung ist in der Regel konservativ (Physiotherapie, Haltungskorrektur); in therapieresistenten oder vaskulären Fällen wird eine Operation (Resektion der ersten Rippe, Skalenektomie) durchgeführt.

Zuletzt aktualisiert: 2026-06-07

Definition und Anatomie

Das Thoracic Outlet ist die enge anatomische Region, in der der Plexus brachialis und die Subclaviagefäße vom Brustkorb zum Arm ziehen. Es gibt drei Hauptengstellen: das Skalenusdreieck (zwischen dem vorderen und mittleren Skalenusmuskel und der ersten Rippe), den kostoklavikulären Raum (zwischen Schlüsselbein und erster Rippe) und den subkorakoidalen Raum (unter dem Musculus pectoralis minor). Eine Kompression der neurovaskulären Strukturen in diesen Bereichen führt zum TOS. Je nach betroffener Struktur werden neurogene (am häufigsten), arterielle und venöse Untertypen definiert.

Ursachen und Risikofaktoren

Zu den Hauptursachen gehören anatomische Varianten (Halsrippe, langer Querfortsatz von C7, fibröse Bänder), Traumata (Schlüsselbeinfraktur und Kallus, Schleudertrauma), Haltungsstörungen (nach vorn gezogene Schulterhaltung, Schreibtischhaltung), repetitive Überkopftätigkeiten (Schwimmen, Volleyball, Streichen) und Muskelhypertrophie/-spasmus (Skalenusmuskeln, Pectoralis minor). Auch Adipositas und Schwangerschaft können beitragen. Eine Halsrippe ist in der Bevölkerung selten und bei den meisten Menschen asymptomatisch; ist sie jedoch vorhanden, kann sie die unteren Wurzeln des Plexus brachialis (C8–T1) komprimieren.

Symptome

Das neurogene TOS ist der häufigste Typ; es verursacht Taubheit und Kribbeln in Arm und Hand (insbesondere im vierten und fünften Finger und am medialen Handrand), Hals-Schulter-Arm-Schmerzen, Handschwäche und bei lang bestehenden Fällen eine Atrophie der intrinsischen Handmuskeln. Die Symptome sind lageabhängig (erhobener Arm, Überkopftätigkeiten) und können sich nachts verschlimmern. Beim arteriellen TOS können durch Embolie eine Extremitätenischämie, Kälte, Blässe und Farbveränderungen der Finger (Ischämie) auftreten. Das venöse TOS (Paget-Schroetter-Syndrom) zeigt sich mit plötzlicher Armschwellung, Schmerzen, bläulicher Verfärbung (Zyanose) und Hervortreten der oberflächlichen Venen; es tritt meist nach intensiver Aktivität bei jungen, aktiven Personen auf.

Diagnose

Das TOS ist eine klinische Diagnose; es gibt keinen einzelnen definitiven Labortest. Neben Anamnese und körperlicher Untersuchung helfen Provokationstests (Adson, Wright, Roos/EAST), die Symptome zu reproduzieren und Pulsveränderungen zu zeigen; da diese Tests für sich allein irreführend sein können, ist die Reproduktion der Symptome des Patienten wichtig. Eine Halsröntgenaufnahme wird auf eine Halsrippe hin beurteilt. Die MRT stellt Weichteilpathologien dar. EMG/Nervenleitungsuntersuchungen können beim neurogenen TOS normal sein, sind aber wertvoll zur Abgrenzung anderer Erkrankungen wie Karpaltunnelsyndrom, Ulnaris-Engpassneuropathie und zervikaler Radikulopathie. Bei den vaskulären Typen werden Angiographie oder Venographie (bei Bedarf mit Doppler-Ultraschall) eingesetzt.

Konservative Behandlung

Insbesondere beim neurogenen TOS ist die konservative Behandlung die Hauptstütze und wird in der Regel über 3–6 Monate angewandt. Die Physiotherapie steht im Mittelpunkt: Haltungskorrektur (Korrektur der nach vorn gezogenen Schulterhaltung, Kinnretraktion, ergonomische Anpassungen), Dehnübungen für die Skalenus- und Pectoralis-minor-Muskeln und Kräftigung der periskapulären Muskeln (mittlerer und unterer Trapezius, Serratus anterior). Neuropathische Schmerzmittel, Muskelrelaxanzien und kurze Antiphlogistikakuren werden zur symptomatischen Behandlung verwendet. Eine Skalenusmuskelblockade kann sowohl zu diagnostischen als auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden. Eine Aktivitätsanpassung (Vermeidung von Überkopftätigkeiten, Begrenzung schweren Hebens) ist wichtig.

Operative Behandlung

Eine Operation wird bei neurogenem TOS erwogen, das auf eine 3–6-monatige konservative Behandlung nicht anspricht, ein fortschreitendes neurologisches Defizit oder funktionseinschränkende Schmerzen aufweist oder bei dem eine ausgeprägte anatomische Anomalie (Halsrippe) festgestellt wird. Das arterielle TOS (akute Ischämie, Aneurysma, rezidivierende Embolie) und das venöse TOS erfordern häufiger eine interventionelle/chirurgische Behandlung. Die Hauptoperation ist die Resektion der ersten Rippe (über einen transaxillären, supraklavikulären oder infraklavikulären Zugang), die die Kompression durch Erweiterung des Thoracic Outlet lindert. Skalenektomie und Halsrippenexzision können zusammen oder allein durchgeführt werden. Beim arteriellen TOS wird bei Bedarf eine Gefäßrekonstruktion durchgeführt; beim venösen TOS (Paget-Schroetter) folgt auf eine thrombolytische Therapie die Dekompression. Mögliche Komplikationen sind Plexus-brachialis-Verletzung, Pneumothorax und Rezidiv.

Prognose

Ein erheblicher Teil der neurogenen TOS-Fälle spricht gut auf eine konservative Behandlung an; die Ergebnisse sind besonders bei haltungsbedingten und leichten Fällen günstig. Bei operationsbedürftigen Fällen werden bei den meisten gute/ausgezeichnete Ergebnisse berichtet, obwohl ein Rezidiv möglich ist. Beim arteriellen und venösen TOS bestimmen frühe Diagnose und angemessener Eingriff die Prognose. Lang bestehende Symptome und die Entwicklung einer Muskelatrophie beeinflussen die Prognose ungünstig. Der Behandlungsplan wird für jeden Patienten individualisiert, und kein Ergebnis kann im Voraus garantiert werden.

Quellen

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Autor / Redakteur
BVS Doctors Medizinisches Redaktionsgremium
Facharzt für Neurochirurgie
langjährige Facherfahrung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Diagnose und Behandlung sind individuell.